Mäder Jörg · Nationalrat · 2022-09-30
Mäder Jörg · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2022-09-30
Wortprotokoll
Wir hatten diese Woche schon mal das Thema Gesundheitskosten, schon damals habe ich gesagt: Es gibt in dieser Problematik keine "silver bullet", keine "One fits all"-Lösung. Es werden sehr viele kleine Schritte notwendig sein. Das, was hier die Minderheit der Kommission vorschlägt, ist ein kleiner Mosaikstein.
Das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger ändert sich. Das ist noch nicht problematisch. Die Situation ist aber so, dass die Leute schneller auf die Notfallstation gehen. Wenn Sie die Medien etwas verfolgt haben, werden Sie gelesen haben, dass die Wartezeiten steigen, dass die Kindernotfallstation zu kollabieren droht usw. Das ist nicht so, weil die Spitäler gerne langsam arbeiten - ich kenne es etwas, ich bin im Verwaltungsrat eines Regionalspitals. Es liegt auch nicht daran, dass man nicht bereit ist, mehr Leute für die Notfallstation anzustellen. Man findet diese Leute im Moment schlicht und einfach nicht. Bis sich das geändert hat, wird es noch eine Zeit gehen. Wir müssen andere Lösungen haben. Und es gibt andere Ansätze: Triage-Stationen mit Hausärzten oder das bereits erwähnte Notfalltelefon - in Opfikon, wo ich Mitglied der Exekutive bin, haben wir das lange vor dem Obligatorium im Kanton Zürich finanziert. Es braucht eben ganz viele Elemente.
Es ist ein legitimes und adäquates Anliegen, Besucherströme zu lenken. Hier geht es genau um eine solche Lenkungsmassnahme.
Bitte beachten Sie auch, dass es jetzt schon private Praxen gibt, wo Spezialisten arbeiten, die, wenn Sie dort ausserhalb der Bürozeiten vorbeikommen, als Erstes eine Hunderternote sehen wollen, damit sie ein bisschen die Gewähr haben, dass da nicht einfach jemand kommt, weil er jetzt gerade Zeit hat und es für ihn bequem ist. Das sollte auch in der Notfallstation möglich sein.
Wir müssen daran denken, dass die Notfallstation einer der teuersten Orte ist. Warum? Weil es dort die besten Instrumente geben muss für die wirklich echten Notfälle, und um genau das geht es.
Diese parlamentarische Initiative dient als Diskussionsgrundlage. Ob sie exakt so in der Endversion umgesetzt wird, ist nicht matchentscheidend, und wenn es wirklich Probleme gibt, dass Leute sich das nicht leisten können, dann soll diese Pauschale, wenn das Aufsuchen der Notfallstation berechtigt war, von mir aus angerechnet werden; da liegt nicht das Problem. Aber wir müssen die Ressourcen unserer am besten ausgerüsteten und teuersten Stationen effizient einsetzen, um das geht es.
Von daher bitte ich Sie, diese Idee hier nicht abzuschreiben, sondern weiterzuverfolgen. Sie haben es schon bei den Fragen gehört: Es gibt Kantone, die auf diese Lösung warten; dort steht eine Mehrheit ganz klar hinter diesem Konzept. Wohlgemerkt - ich weiss, für gewisse Leute ist das überhaupt kein Vorbild -, es gibt dieses System auch im Ausland. Es ist handhabbar.
Bezüglich des zusätzlichen administrativen Aufwands sage ich Ihnen: Ja, für die Leute, die weiterhin auf die Notfallstation gehen, für die wird der Aufwand ein bisschen grösser. Die Zeitersparnis liegt bei den Leuten, die nicht mehr auf die Notfallstation gehen, sondern eine adäquatere Lösung wählen, z. B. das Notfalltelefon anrufen oder während der Öffnungszeiten in die Apotheke gehen oder was auch immer. Dort liegt die Zeitersparnis, und das gibt einen Nettoeffekt. Ja, bei denen, die in die Notfallstation kommen, geht es ein bisschen länger, aber die Spitäler sollten sich sowieso noch stärker digitalisieren, als es jetzt der Fall ist, und damit schwindet auch dieser Aufwand mittelfristig sehr schnell.
In diesem Sinne bitte ich Sie mit Nachdruck, diesen Vorstoss jetzt nicht abzuschiessen, sondern aufrechtzuerhalten, damit wir ein brauchbares Konzept ausarbeiten können, damit unsere Notfallstationen jetzt entlastet werden und nicht erst, wenn dann mal wieder genügend Personal da ist. Das wird noch Jahre dauern, und die Notfallstationen sind jetzt auf Lösungen angewiesen.