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AB 311669

Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-12-08

Wortprotokoll

Ich gebe zuerst meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Präsidentin von Pro Natura, spreche hier aber für die SP-Fraktion, gebe das Fraktionsvotum ab. [PAGE 2204]

Sie haben es gemerkt: Der Wolf ist ein hochemotionales Thema, das zeigte sich auch beim Votum des Kommissionssprechers französischer Sprache.

J'ai dû constater avec un certain regret qu'il a donné des exemples plutôt émotionnels et qui n'ont pas nécessairement été discutés au sein de la commission.

Wir sind als Gesetzgeber der Objektivität verpflichtet. Wir müssen Lösungen für Probleme suchen. Aber wir schaffen keine Lösungen, wenn wir hier ein Problem hochstilisieren und emotionalisieren, das in dieser Art und Weise einfach wirklich nicht besteht. Wir haben heute, wir haben es gehört, 200 Wölfe. Die Zahl der Wölfe hat im letzten Jahr um 60 zugenommen, das sind plus 30 Prozent. Es geht also nicht um vier-, fünf-, sechs-, zehnmal mehr Wölfe als auch schon.

Der Wolf war ausgerottet. Er ist nach der Berner Konvention stark geschützt, und er soll den Schutz auch geniessen. Wir sprechen über ein Jagd- und Schutzgesetz, wir sprechen nicht nur über ein Jagdgesetz. Das möchte ich hier einfach noch mal erwähnen.

Dann wurde erwähnt: Wir hatten vor zwei Jahren eine Abstimmung. Es ging um die Revision dieses Jagd- und Schutzgesetzes. Diese Revision ging vielen zu weit. Die Revision wurde mit 51,9 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Sie können nun sagen, das war knapp. Das ist so, es war knapp, aber es ging der Bevölkerung doch zu weit. Ich erwähne dies jetzt an dieser Stelle, weil auch der Beschluss des Ständerates zu weit geht. Der Beschluss des Ständerates, auch wenn er "nur" auf den Wolf bezogen ist, geht mit einer proaktiven Regelung weit, und er geht weiter als das, was die Schutzverbände zusammen mit verschiedenen anderen Verbänden in einem Stakeholder-Vorschlag erarbeitet haben.

Die Schutzverbände - Pro Natura, Birdlife, Gruppe Wolf Schweiz, WWF Schweiz - haben sich mit verschiedenen anderen Stakeholdern zusammengesetzt und einen Vorschlag erarbeitet, der aus unserer Sicht objektiv ausgewogen ist. Man hat eine Lösung gefunden. In dieser Gruppe waren der Schweizerische Bauernverband, der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete dabei, auch der Schweizerische Forstverein und Jagd Schweiz. Dieser Stakeholder-Vorschlag wäre um einiges besser gewesen als das, was wir jetzt als Vorschlag auf dem Tisch liegen haben.

Es wurde heute Morgen erwähnt: Der Wolf hat auch eine ökologische Bedeutung. Er ist nicht einfach ein bösartiges Tier, sondern er hat eine wichtige ökologische Bedeutung, und diese müssen wir auch sehen. Er sorgt durch das Jagen von Rotwild, von Hirschen und Rehen, dafür, dass sich der Wald wieder verjüngen kann. Wenn Sie mit einem Förster sprechen, wird er Ihnen sehr bald sagen: Es gibt zu viele Rehe, es gibt zu viele Hirsche; die Waldverjüngung findet nicht mehr statt. Wichtige Bäume, wichtige Baumarten - Ahorn oder Eiche beispielsweise - werden vom Rotwild zu gern als Nahrung genommen, und damit wird die Waldverjüngung verhindert. Dadurch wird riskiert, dass diese Wälder ihre Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen können. Wenn ein Wald seine Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen[NB]kann,[NB]dann[NB]werden einige, die jetzt den Wolfsbestand dezimieren wollen, sich auch in Gefährdungssituationen wiederfinden.

Ich habe es schon gesagt: Der Wolf ist ein geschütztes Tier und gemäss der Berner Konvention ein stark geschütztes Tier. Wir haben die Verantwortung, auch dem Rechnung zu tragen. Die Risse von Schafen durch einen Wolf sind für Nutztierhalter erschreckend, da gehe ich mit vielen von Ihnen einig. Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass hier eine rasche Reaktion gewünscht wird. Aber das können wir auch mit dem Antrag der Minderheit V (Jauslin) tun. Damit haben wir eine gute Basis, um den Wolfsbestand dort präventiv zu regulieren, wo es nötig ist. Es ist aber auch unumgänglich, dass wir Herdenschutzmassnahmen treffen und damit für einen guten Schutz der betroffenen Nutztiere bzw. dann auch für eine Entschädigung an die Nutztierhalter sorgen.

Ich komme zum Schluss. Ich bitte Sie namens der SP-Fraktion, auf diesen Entwurf einzutreten, weil wir eben eine Lösung finden und mithelfen wollen, eine gute Lösung zu finden. Ich bitte Sie aber dann, den verschiedenen Minderheiten zu folgen.

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