Zanetti Roberto · Ständerat · 2022-12-13
Zanetti Roberto · Ständerat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-12-13
Wortprotokoll
Bei Kollege Noser muss man dazu offenbar ein erstes Semester Betriebswirtschaftsstudium machen, bei uns im Kanton Solothurn reicht die erste Lektion im KV: Man hat einen Einstandspreis und einen Verkaufspreis, und dazwischen passiert irgendetwas. Das kann tatsächlich das sein, was Herr Noser sagt, es wird bearbeitet und so weiter. Aber genau das wollen wir wissen.
Der Tierschutz hat von der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Studie machen lassen. Ich habe gesagt, dass es eine Studie ist, die vom Tierschutz bestellt worden ist; es ist aber nicht einfach ein billiges Parteigutachten. Sie untersuchen dort die "Wertschöpfungsanalyse bei Rind- und Schweinefleisch". Es ist eine Problematik, die in der vorherigen Diskussion auch von Kollege Hegglin erwähnt wurde. Sie wurde von verschiedenen Seiten erwähnt: Man müsse sich nicht nur als Stimmbürger an der Urne, sondern auch als Kunde im Laden entsprechend verhalten. In dieser Wertschöpfungsanalyse beschreiben sie, dass die Produzenten, also Landwirte, für die Produktion von Label-Fleisch und normalem Fleisch mehr oder weniger die gleichen Preise lösen, es also marginale Differenzen gibt, während der Konsument an der Kasse zum Teil das Zwei- bis Dreifache für Label-Fleisch bezahlen muss.
Ich bin gerne bereit, für das Tierwohl - ich habe vorhin erwähnt, dass ich ein Tierfreund bin - mehr auszugeben. Aber ehrlich gesagt, möchte ich, dass diese Mehrausgabe zum Landwirt oder zur Landwirtin kommt, damit er oder sie die Zusatzamortisationen finanzieren kann. Ich möchte das Geld nicht einfach zum Grossverteiler rüberschieben. Dazu müssen wir keine Geschäftsgeheimnisse lüften. Wenn man einfach feststellt, dass die Ladenkette X dasselbe Label-Fleisch zu einem dreimal so hohen Preis verkauft wie der Dorfmetzger, dann kann man seine Schlüsse daraus ziehen. Dann gehe ich künftig wieder zum Dorfmetzger und nicht zum Laden. Vielleicht bin ich damit ein etwas naiver Marktanhänger, aber ich glaube daran, dass Markt Transparenz voraussetzt. In diesem Sinne können wir da in einen Wettkampf der liberalen Wirtschaftspolitiker gehen.
Ohne Kenntnis der Sachlage kann man keine Marktentscheide fällen. Deshalb noch einmal: Stimmen Sie mit der Mehrheit. Es sind die Marktradikalen, die dagegen sind - schauen Sie die Minderheit an. Immerhin stimmt man in der staatstragenden Mitte und weit darüber hinaus mit der Mehrheit diesem Postulat zu.
Ich bitte Sie, dem zu folgen.