Engler Stefan · Ständerat · 2022-12-14
Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-12-14
Wortprotokoll
Die Kommissionssprecherin gestattet es mir, dass ich noch zwei, drei Ausführungen über die Diskussion in der Kommission zu diesem Geschäft mache.
Das Abstimmungsergebnis ist einigermassen merkwürdig, da sich fünf Kommissionsmitglieder der Stimme enthalten haben und so zum Ausdruck gebracht haben könnten, es sei ihnen gleichgültig, wie mit unserer Sprache verfahren werde. Dem ist aber nicht so. Es waren vor allem verfahrensökonomische Überlegungen, die zur Ablehnung der Motion geführt haben, weil kein konkreter Anlass seitens der Bundeskanzlei erkennbar ist, an der bisherigen Praxis etwas zu ändern.
Die von Nationalrat Roduit angesprochene Thematik betrifft ja nicht nur das Französische; sie betrifft in gleicher Weise die deutsche Sprache. Auch hier stellen wir in jüngster Zeit fest, dass im privaten Bereich Texte geschrieben werden, deren Schreibweise stark experimentell ist, z. B. durch Gender-Markierungen wie den Gender-Stern, den Gender-Doppelpunkt, den Gender-Gap und den Gender-Mediopunkt - Sie müssen nicht wissen, was das alles bedeutet, weil sich diese Schreibweisen zum Glück noch nicht etabliert haben. Ich finde es absolut richtig, dass sich die Bundeskanzlei abwartend verhält, die Entwicklung verfolgt und vor allem auch der Verständlichkeit und der Klarheit der behördlichen Texte ein hohes Gewicht beimisst.
In der von Kollegin Mazzone angesprochenen Weisung der Bundeskanzlei werden der aktuelle Stand sowie die Überlegungen, die es zu berücksichtigen gilt, ausführlich erläutert. Nebst sprachlichen, sprachpolitischen und rechtlichen Gründen gilt es auch die Frage der Verständlichkeit der Texte zu beachten. Die Ablehnung der Motion und die Enthaltungen, die in der Abstimmung zu verzeichnen sind, bringen nichts anderes zum Ausdruck, als dass wir bei dem bleiben wollen, was heute Usus ist, und keine sprachlichen Experimente in behördlichen Texten zulassen wollen.
Das heisst nicht, dass eine auf die Geschlechter bezogene diskriminierungsfreie Schreibweise abgelehnt wird. Das heisst aber, dass wir im behördlichen Bereich keine Experimente machen und vielmehr beobachten wollen, wie sich die deutsche und die französische Sprache - die Motion Roduit spricht die französische Sprache an - weiterentwickeln. Erst aufgrund von gefestigten Schreibweisen, die auch sprachwissenschaftlich anerkannt sind, sind dann vielleicht einmal Korrekturen vorzunehmen.