Gmür-Schönenberger Andrea · Ständerat · 2023-03-06
Gmür-Schönenberger Andrea · Ständerat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2023-03-06
Wortprotokoll
Auch ich bin Mitglied der WBK. Leider war ich, als diese Motion beraten wurde, nicht an der Sitzung, weil ich mit der SiK in Brüssel bei der Nato weilte. Ich war überrascht, als ich dieses einstimmige Resultat mit einer Enthaltung sah. Persönlich lehne ich diese Motion ab, auch wenn ich grössten Respekt vor den Absolventinnen und Absolventen höherer Fachschulen habe.
Wie ich jetzt von meinem Vorredner und auch vom Kommissionsberichterstatter gehört habe, hätte diese Motion eigentlich ganz klar als Postulat angenommen respektive in ein Postulat umgewandelt werden sollen, und das würde ich noch so gerne unterstützen. Warum aber lehne ich die Motion ab?
Es gibt einmal mehr eine grosse Vermischung von Titeln. Hier geht es um die Titel der Berufsbildung und der Hochschulen, insbesondere der Fachhochschulen, die eben praxisorientierte Studien und Abschlüsse anbieten. Um einen solchen Bachelor zu erlangen, ist auch eine gewisse Forschungsarbeit erforderlich, was an den höheren Fachschulen nicht der Fall ist. Bachelor und Master sind akademische Abschlüsse, die vor zwanzig Jahren mit dem Bologna-System eingeführt wurden. Es gibt eine Studienstruktur mit einem Bachelor, einem Master und einem Doktorat. Es sind drei Stufen, für die es eben Credits braucht. Bei den höheren Fachschulen ist das absolut nicht der Fall.
Das SBFI prüft die Einführung von ergänzenden Titeln für die höheren Fachschulen; das ist richtig, das unterstütze ich auch. Ebenso arbeitet der Bundesrat bereits an einem Massnahmenpaket; auch das ist richtig. Es wurde jetzt auch immer wieder gesagt, in Deutschland und in Österreich gebe es eben solche Titel. Ja, das mag sein, aber in allen anderen europäischen Ländern gibt es sie nicht. Ich warne einfach vor einem weiteren Einheitsbrei und Titelwirrwarr.
Minderheitenschutz ist immer schwierig, auch wenn wir selbstverständlich Minderheiten schützen müssen. Ich weiss nicht, wie viele dieser Absolventinnen und Absolventen schlussendlich im Ausland arbeiten. Ich weiss aber, dass bedeutend mehr in der Schweiz bleiben und dass wir, wenn wir Ja zur Motion sagen, Minderheitenschutz auf dem Rücken der ganz, ganz grossen Mehrheit betreiben. Das finde ich ganz klar nicht gut. Kollege Michel hat von diesen beiden Welten gesprochen. Dass es zwei Welten gibt, finde ich auch richtig. Sie sind gleichwertig, aber andersartig. Mit einem Ja zur Motion werden sie vermischt, sodass eben am Schluss überhaupt niemand mehr den Durchblick hat.
Wir müssen die Berufsbildung fördern, auch da bin ich absolut einverstanden. Wir fördern sie aber nicht mit irgendwelchen Titeln. Kollege Stark hat von den Krankenpflegefachfrauen gesprochen, die dann künftig einen "Professional Bachelor" haben. Weiss man dann, was das überhaupt ist? Wer sieht dann noch den Unterschied, wo was gelehrt respektive gelernt, geübt und angewendet wird? Wenn wir die Berufslehre aufwerten wollen, müssen wir den Eltern bereits in der Primarschule aufzeigen, dass die Berufslehre ein überaus wertvoller Weg ist, dass man da allenfalls weitere Möglichkeiten hat. Wenn man schaut, wer nachher arbeitslos ist, dann sieht man, dass es bedeutend mehr Absolventinnen und Absolventen von Universitäten als Leute mit einer höheren Berufsbildung sind.
Ich bitte Sie im Sinne von klaren Strukturen und auch von klaren Titeln, diese Motion abzulehnen. [PAGE 86]