Girod Bastien · Nationalrat · 2023-03-08
Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2023-03-08
Wortprotokoll
Die Vorteile der Windenergie sind vielfältig. Ein grosser Vorteil ist sicher, dass die Windenergie im Winter mehr Strom produziert. Weil die Luft schwerer ist und weil es mehr windet, werden zwei Drittel des Stromes im Winter produziert, also dann, wenn wir den Strom gerade auch in der Schweiz am meisten benötigen.
Ein weiterer Vorteil ist die Flächeneffizienz. Eine Windenergieanlage steht auf einem kleinen Sockel. Sie verbraucht deshalb wenig Fläche und produziert im Verhältnis zu ihrer kleinen Fläche relativ viel Strom. Global und in Europa, aber auch in der Schweiz birgt Windenergie ein grosses Potenzial. Technisch könnten wir unseren gesamten Strombedarf über die Windenergie decken; unter Berücksichtigung landschaftlicher Aspekte reduziert sich dieses Potenzial auf etwa 7 Terawattstunden. Aber immerhin: 7 Terawattstunden kann man mit etwa 1000 Anlagen realisieren. 1000 Anlagen klingt zwar nach viel, aber die Schweiz ist grösser, als man zum Teil denkt. Das verteilt sich dann gut über die ganze Schweiz und verbessert die Stromversorgungssicherheit im Winter wirklich signifikant.
Der letzte Punkt, der ebenfalls für die Windenergie spricht, sind die Kosten. Windenergie ist eine etablierte Technologie mit tiefen Kosten. Sie erlaubt es, Strom für weniger als 10 Rappen pro Kilowattstunde zu produzieren.
Wie gesagt, die Vorteile sind vielfältig. Worin liegt nun aber das Problem? Es wurde bereits angesprochen: Es sind die Verfahren. Diese dauern in der Schweiz fünfzehn Jahre oder länger. Das ist mit ein Grund, warum wir erst bei 0,14 Terawattstunden sind und vorerst nur einen Bruchteil dieses Potenzials realisieren. Mit dieser Vorlage können wir zumindest zehn Projekte realisieren, zehn Projekte, die insgesamt etwa viermal die Stromproduktion ausmachen, die wir heute haben. Das heisst, mit dieser Vorlage können wir die Stromproduktion um den Faktor fünf erhöhen und den Prozess um etwa drei Jahre beschleunigen.
Das ist der konkrete Vorteil, den wir haben. Deshalb sollten wir die Vorlage unterstützen, deshalb ist die Vorlage so wichtig.
Man muss auch sehen: Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung ist für die Windenergie. Aber es gibt eine kleine, sehr laute und gut organisierte Minderheit, die gegen die Windenergie kämpft. Deshalb ist es auch wichtig und schlau, hier die Reihen zu schliessen - auch mit der Umweltallianz. Entsprechend bitte ich Sie, dem Minderheitsantrag II (Clivaz Christophe) zuzustimmen. Effektiv wird es keine Änderung bringen: Mit den Projekten, die alle Stufen bis zur Nutzungsplanung durchlaufen haben, kommt man etwa auf 0,6 Terawattstunden. Das ist immer noch eine Erhöhung um den Faktor vier, verglichen mit dem, was wir heute haben, aber es erlaubt, die Reihen zu schliessen, das ist wichtig.
Wir müssen rasch vorwärtsgehen, wir müssen beschleunigen, wir müssen aber auch aufpassen, dass wir nicht stolpern. Wenn wir unterwegs stolpern, sind wir auch nicht schneller unterwegs. Die Grünen stehen für eine Energiewende mit der Natur. Ich denke, es ist wichtig, dass wir jetzt bei der Energiewende nicht einfach zu allem Ja sagen. Wir müssen immer noch sorgfältig sein, wir müssen aufpassen, dass wir nicht stolpern. Dafür stehen die Grünen.
Deshalb sind wir klar für die Vorlage, klar für die Windenergie, aber auch klar für die Minderheit II (Clivaz Christophe).