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Haab Martin · Nationalrat · 2023-03-09

Haab Martin · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2023-03-09

Wortprotokoll

Die SVP-Fraktion lehnt alle Minderheitsanträge von Links-Grün ab. Sie stimmt aber dem Minderheitsantrag Dettling zur Motion 22.4251 über die Weiterentwicklung der Agrarpolitik zu.

Eine Minderheit Grossen Jürg will - ganz im Sinne eines "Alle Jahre wieder kommt der Weihnachtsmann" - die Hornkuh-Initiative wiederaufleben lassen. Wir sprechen in diesem Rat nun zum dritten Mal über Hornkühe. Der Souverän hat im November 2018 gesprochen und hat dieses Ansinnen mit 55 Prozent abgelehnt. Und Sie wissen: Der Souverän ist die höchste Instanz in diesem Land. Im letzten Jahr, im September, wurde hier eine Motion des Ständerates abgelehnt. Ich möchte an das Erinnerungsvermögen von Herrn Grossen appellieren - er ist jetzt leider nicht im Saal, aber er kann es ja nachlesen -: Die GLP war hier massgeblich daran beteiligt, dass diese Motion keine Mehrheit fand. Heute sprechen wir nun über eine Umlagerung von Geldern aus dem Agrarbudget in die Produktionssystembeiträge. Wir nehmen also irgendwo Geld weg, das jetzt für Leistungen der Bauern ausbezahlt wird, und alimentieren damit zusätzlich die Produktionssystembeiträge, um die Hornkuhförderung zu bewerkstelligen.

In Bezug auf die Hornkühe sprechen wir hier über ein Phänomen bzw. einen Umstand, der vermutlich in wenigen Jahren Geschichte sein wird. Jetzt spreche ich als Viehzüchter: In der Viehzucht in der Schweiz oder auch weltweit sind nachhaltige Kriterien der neue Trend. Wir sprechen von Zuchtwerten Nutzungsdauer, wir sprechen von Zuchtwerten Weide, und wir sprechen von Hornlosigkeit. Hornlosigkeit hat nichts mit Gentechnik zu tun. Vielmehr sind das normale Vererbungsgänge, also Vererbungslehre erste Stufe, denn das Hornlosigkeits-Gen ist das dominante Gen in der Vererbung bei der Kuh. Die Zucht entwickelt sich weltweit darauf hin, dass wir schon in wenigen Jahren viele Tiere haben werden, die genetisch hornlos sind und als Kälber nicht mehr enthornt werden müssen.

Kurz einige Worte zur Minderheit Glättli, die klimafreundliche Betriebe besser abgelten will. Wir haben heute schon viele Tools: Wir haben bodenschonende Ackerbauverfahren, Direktsaatverfahren, Minimalbodenbearbeitung - alles Beiträge, die klimafreundlich sind. Wenn Sie allenfalls mehr Klimafreundlichkeit im Ackerbau wünschen, dann müssen Sie auf die Beiträge verzichten, mit denen wir Herbizidlosigkeit finanzieren; denn wenn ich herbizidlos anbaue, dann muss ich eine stärkere mechanische Unkrautbekämpfung machen. Ich werde dann drei-, viermal mit meinem Traktor über die Felder fahren. Das ist nicht klimafreundlich. Hier beisst sich die ganze Sache: Klimafreundlichkeit und Pflanzenschutzmittelreduktion widersprechen sich.

Noch kurz einige Worte zur Minderheit Munz zur Tiergesundheit: Frau Munz, Sie wissen ganz genau, dass die Tiergesundheit im Grundinteresse eines jeden Bauern liegt, der Tiere hält. Wenn Sie jetzt mit der Antibiotikareduktion kommen: Es wurde bereits gesagt, dass die Landwirtschaft hier ihre Aufgaben gemacht hat. Wir brauchen nur noch rund 50 Prozent der Antibiotika, die wir noch vor fünfzehn Jahren gebraucht haben - dies ganz im Gegensatz zur Humanmedizin und, das möchte ich auch erwähnen, zur Heimtierhaltung. Wenn Sie mit der Idee kommen, dass Kälber erst nach drei Monaten auf den Aufzuchtbetrieb kommen: Ich weiss nicht, ob Kollege Dettling als Präsident der Kälbermäster Freude hat, wenn ich ihm meine Kälber erst im Alter von drei Monaten zur Ausmast gebe. Dann hat er keine Arbeit mehr. Aber auch da muss ich jetzt an das Erinnerungsvermögen der links-grünen Fraktionen appellieren: Sie waren vor zwanzig Jahren massgeblich daran beteiligt, dass die Schweizer Landwirtschaft aus der Milchkontingentierung ausgestiegen ist. Das war eigentlich der Tod der bäuerlichen Kälbermast auf Betrieben, die Milch produzieren, wodurch Kälber [PAGE 343] anfallen. Heute haben wir nun das System, dass diese Kälber von diesen Betrieben weg zu professionellen Mastbetrieben gebracht werden und dort zu Ende gefüttert werden.

Ich danke Ihnen für die Ablehnung all dieser Minderheitsanträge, mit Ausnahme des Minderheitsantrages Dettling.