Stöckli Hans · Ständerat · 2023-03-15
Stöckli Hans · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-03-15
Wortprotokoll
Ich bin natürlich ein schlechtes Beispiel, wenn ich in meinem hohen Alter noch aktiv bin und mich gleichzeitig dagegen wehre, dass man das Rentenalter erheblich erhöht. Wir haben die Diskussion im Rahmen der letzten Abstimmung geführt und werden die Gelegenheit haben, sie noch bei den anderen Vorlagen zu führen. Die Art und Weise, wie man das Problem angehen will, hat mich aber dazu bewogen, noch einige Punkte zu nennen.
Wir wissen ja alle, dass es in einem gewissen Alter sehr schwierig ist, noch eine Stelle zu bekommen. Diese Initiative würde die Möglichkeiten der älteren Menschen, am Arbeitsmarkt noch aktiv zu sein, ganz klar verschlechtern.
Was für mich aber überhaupt nicht geht, ist, dass man auf einen Durchschnittswert abstellen will: Man soll die durchschnittliche Lebenserwartung als Basis nehmen, um dann die Altersrechte zu definieren. Der Unterschied zwischen der durchschnittlichen Lebenserwartung in Obwalden und derjenigen in Glarus beträgt beispielsweise über vier Jahre. Auf derart engem Raum ist die Differenz also so gross. Ich war sehr erstaunt, als ich gelesen habe - das habe ich hier bereits einmal ausgeführt -, dass "white collars" eine wesentlich höhere Lebenserwartung haben als Menschen, die harte Arbeit vollbringen müssen: Eine Studie hat ergeben, dass beispielsweise ein Schreiner knapp drei Jahre weniger lang lebt als ein Professor. Ja, welchen Durchschnittswert wollen Sie denn nun nehmen, denjenigen der Schreiner oder denjenigen der Professoren? Drei Jahre - das ist eine entscheidende Zeitdauer! Eine gerechte Lösung kann auf Basis der vorliegenden Initiative daher nicht gefunden werden.
Kommt hinzu, dass diese Initiative die Planung erschweren würde, weil man bis zum Alter von 61 Jahren noch gar nicht wüsste, wann man schlussendlich die Rente kriegt. Sie ist auch verwaltungsmässig anspruchsvoll, weil bei der Rentenberechnung viel mehr Bürokratie nötig wäre. Deshalb denke ich: Es ist sicher gut, dass sich auch Jungparteien aktiv politisch betätigen, aber das alleine reicht ja noch nicht aus, um eine Lösung zu unterstützen, die keinen Beitrag zu einer Verbesserung der Situation leistet.
Dementsprechend beantrage ich, die Initiative nicht zur Annahme, sondern zur Ablehnung zu empfehlen und auch keinen indirekten Gegenvorschlag auszuarbeiten.