Rösti Albert · Bundesrat · 2023-05-03
Rösti Albert · Bundesrat · Bern · 2023-05-03
Wortprotokoll
Das Reservationssystem ist eigentlich ein Resultat des Erfolgs und zeigt, dass die Benutzung des Velos stark zunimmt. Die Umsetzung, die Festlegung der Preise sowie die organisatorische Abwicklung des Velotransports sind aber operative Aufgaben der Bahnen. Wir sind der Meinung, dass es an diesen ist, diese umzusetzen und auf die Nachfrage zu antworten.
Aufgrund der erwähnten grossen Nachfrage zwischen Frühling und Herbst sind Reservationssysteme als lenkende Massnahme und zur Erreichung der Planungssicherheit für Reisende mit Velos kurzfristig ein möglicher Lösungsweg. Es ist letztlich, denke ich, auch im Interesse der Velofahrerinnen und Velofahrer, dass sie wissen, dass sie ihr Velo tatsächlich auch mitnehmen können. Das ist auch bei anderen Verkehrsmitteln so, bei welchen Reservationssysteme zur Anwendung kommen. Daher sind wir gegenüber diesem Mittel der Reservation positiv eingestellt.
Die Velomitnahme wurde in den SBB-Intercityzügen mit der Reservationspflicht zwar teurer und aufwendiger, das möchte ich nicht kleinreden. Allerdings wird mit dem gezielten Reservationssystem ein geordneter und damit auch sicherer Betrieb möglich, was den Kundinnen und Kunden durchaus zugutekommt.
Es trifft zu, dass die Zahl der verfügbaren Veloplätze in Spitzenzeiten auf verschiedenen Linien knapp bemessen ist. Die SBB sind sich dessen bewusst und setzen schrittweise Verbesserungen um. Sie haben auf wichtigen Linien des Freizeitverkehrs die Kapazitäten für den Veloselbstverlad erhöht. Mittel- und langfristig planen die SBB, durch betriebliche Anpassungen weitere Kapazitäten zu schaffen. Zudem wollen sie technische Massnahmen wie Multifunktionsabteile für verschiedene Zugstypen prüfen. Wir begrüssen diesen Effort. Der Bundesrat erwartet auch von den SBB, dass hier weitere Schritte folgen.
Wie erwähnt haben die SBB in den letzten Jahren das Angebot mit einem optimiertem Rollmaterialeinsatz besser auf die Nachfrage abgestimmt. So konnten die SBB beispielsweise auf der nachfragestarken Verbindung zwischen Bern und Brig je nach Bedarf rund 10 bis 20 Prozent mehr Veloplätze anbieten. Sie arbeiten also nicht nur am Reservationssystem, sondern auch am Platzangebot. Von April bis Oktober besetzen die SBB zudem seit 2020 während nachfragestarker Tage auf einzelnen Zügen die öffentlich nicht zugänglichen Gepäckabteile mit Personal, damit dort jeweils bis zu zwanzig Velos zusätzlich eingeladen werden können. Um die Kapazität weiter zu erhöhen, werden im Rahmen von Modernisierungsprojekten verschiedene Wagentypen umgebaut. Bis Ende des Jahres 2025 sollten diese Wagen tatsächlich umgebaut sein. Eingesetzt werden diese dann vor allem auf den touristisch stark nachgefragten Linien ins Wallis, ins Berner Oberland und ins Bündnerland. Die SBB bauen somit in den nächsten vier bis fünf Jahren zusätzlich insgesamt 485 Veloplätze in ihre bestehende Flotte ein.
Ich fasse zusammen: Ihre Motion stösst auf offene Türen. Die Vorgaben an die SBB in Bezug auf den Personenverkehr werden von uns regelmässig im Rahmen der Erarbeitung der strategischen Ziele geprüft. Wir sind aber weiterhin der Meinung, dass die operative Regelung der Velomitnahme, gerade weil die SBB hier selbst aktiv sind, eine Aufgabe der Bahn bleiben sollte.
Deshalb - nicht weil wir das Anliegen nicht berechtigt finden, sondern wegen der Stufe, auf der es geregelt werden soll - beantragen wir, diese Motion abzulehnen.