Schaffner Barbara · Nationalrat · 2023-09-18
Schaffner Barbara · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2023-09-18
Wortprotokoll
Wissen und Transparenz sind als Grundlage für eigenverantwortliches Handeln entscheidend. Wem z.[NB]B. nicht bewusst ist, dass der Fleischkonsum hohe Treibhausgasemissionen verursacht, wird diese Tatsache auch nicht in seinen Konsumentscheid einfliessen lassen. Das Beispiel Fleischkonsum habe ich übrigens bewusst gewählt, nicht zum Bashing der Branche, sondern weil mir der Moment noch in Erinnerung ist, in dem mich eine Bekannte auf die hohen Emissionen von Fleisch hingewiesen hat. Davor habe ich mir schlicht keine Gedanken dazu gemacht.
Mein Postulat fordert Schritte, mit denen mehr Wissen und Transparenz über die Klimawirkung von Lebensmitteln geschaffen wird, mit denen also genau die Grundlage geschaffen wird, damit Konsumentinnen und Konsumenten eigenverantwortlich und ohne Bevormundung entscheiden können. So lange wie möglich ohne Vorschriften, aber mit Information und Überzeugungsarbeit auskommen - das ist der grünliberale Weg.
Eigentlich will der Bundesrat das ja auch. Das zumindest schreibt er im Bericht "Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik", auf den er im Ablehnungsantrag zu meinem Postulat hingewiesen hat und der damals noch in Erarbeitung war. Einen konkreten Vorschlag, wie diese Transparenz erreicht werden soll, macht er jedoch nicht. Genau deshalb braucht es mein Postulat, damit wir hier einen Schritt weiterkommen.
Dabei erwarte ich nicht, dass ein Klimalabel, wie ich es vorschlage, den höchsten Präzisionsgrad aufweist. Solche Abschätzungen sind immer mit hohen Unsicherheiten behaftet. Aber die Grössenordnung reicht für die Sensibilisierung der Konsumentinnen und Konsumenten.
Ich verschliesse mich auch nicht gegenüber dem Argument des Bundesrates, dass sich die Umweltwirkung unseres Lebensmittelkonsums nicht auf die Klimawirkung beschränkt. Die Auswirkungen auf Boden, Wasser und Biodiversität dürfen nicht vernachlässigt werden. Aber genau diese Diskussion könnte während der Bearbeitung des Postulates geführt werden: Was soll ein solches Label abdecken? Kann mit der zusätzlichen Komplexität eines umfassenden Umweltlabels wesentlich mehr im Sinne der Konsumenteninformation erreicht werden? Oder soll Mut zur Lücke gezeigt werden, um mit weniger Aufwand ein Optimum an Wirkung zu erzielen?
Nicht zuletzt möchte ich darauf hinweisen, dass die Schweiz hier nicht alleine ist. Die EU arbeitet im Rahmen des Green Deal an der Strategie "Farm to Fork". Ich erwarte klar, dass diese Entwicklungen für ein Schweizer Klimalabel beachtet werden. Im Sinne von Mut zur Lücke sehe ich auch die Option der unveränderten Übernahme eines allfälligen EU-Labels. Das wäre dann Mut zur Lösung.