Schwander Pirmin · Nationalrat · 2023-09-19
Schwander Pirmin · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2023-09-19
Wortprotokoll
Mit der Motion der SVP-Fraktion wird der Bundesrat beauftragt, das Projekt "Aufgabenteilung II" zur Überprüfung der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen per sofort wieder aufzunehmen und entsprechend die am 19. März 2021 kommunizierte Sistierung umgehend aufzuheben.
Worum geht es? Am 28. November 2004 hat das Volk mit 64 Prozent Ja-Stimmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA) - wobei die Aufgabenteilung vielfach vergessen wird - zugestimmt. 2008 wurde diese Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung in Kraft gesetzt. Beim ersten Wirksamkeitsbericht über den NFA schrieb der Bundesrat, die Aufgaben bei Bund und Kantonen würden jetzt effizienter, wirksamer und wirtschaftlicher erledigt; es war also positiv, ein Erfolgsmodell. Aber schon bald, 2012, wies der damalige Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, Christian Wanner, auf die neuen Zentralisierungs- und Verflechtungstendenzen hin. Er forderte das Parlament bzw. den Bundesrat und die Finanzkommission an einer gemeinsamen Sitzung auf, man solle eine neue Aufgabenteilung aufgleisen. Das war bereits 2012.
In der Zwischenzeit haben das der Bundesrat und die Kantone entsprechend gemacht. Der Bundesrat schreibt in seiner Stellungnahme, es sei nicht einfach, man müsse diese Sistierung zusammen mit den Kantonen aufheben. Ich erinnere daran, dass es genau die Kantone waren, die bereits 2012 [PAGE 1748] in einer Sitzung mit der Finanzkommission diese Entflechtung gefordert haben. Deshalb könnte ich es nicht begreifen, wenn sich die Kantone dagegen wehren würden.
Gemäss der Stellungnahme des Bundesrates hätte die Aufhebung der Sistierung im zweiten Quartal 2023 geschehen sollen. Ich weiss nicht, ob das jetzt passiert ist oder nicht. Auf jeden Fall ist es dringend notwendig. Ich erinnere an die Zentralisierungs- und Verflechtungstendenzen in den letzten zwei, drei Jahren. Ich erinnere an die spendierfreudige und konzeptlose Finanzierung in der Corona-Zeit, sprich Härtefallregelungen, die wir mehrmals abgeändert haben. Das war eine Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen, die mehrmals abgeändert wurde. Es ist daher schwierig zu überprüfen, ob es auch korrekt gehandhabt wurde, und das ist nicht gerade effizient.
Wir haben uns in den vergangenen fünf, sechs Jahren auch in Aufgaben der Kantone eingemischt, zumindest, was die Finanzen anbelangt, etwa im Kulturbereich oder im IT-Bereich; ich spreche hier die Digitale Verwaltung Schweiz an. Dort braucht es klare Entscheidungen, wer was macht, sonst haben wir eine Verdoppelung der Ausgaben. Das gilt auch für die Standortförderung, die Kinderbetreuung usw.
Wir haben immer mehr Verflechtungen gemacht. Wir haben es heute schon mehrmals gehört: Der künftige Bundeshaushalt sieht nicht gut aus. Wir brauchen mehr Spielraum. Wir müssen ja bis 2035 noch diese 22 Milliarden Franken Corona-Schulden abbauen, bis 2035! Ich hoffe sehr, dass das Parlament diese Frist nicht verlängert und dass auch der Bundesrat dies nicht beantragt. Das muss im normalen Budget Platz haben. Es ist jetzt schon eng. Darum ist es sehr wichtig, dass wir aufgrund eines Vergleichs der Finanzsituation des Bundes und der Kantone gut daran tun, die Aufgabe anzugehen und eine Entflechtung vorzunehmen. Klare Verantwortung und klare Kompetenzen führen zu effizienteren, wirksameren und wirtschaftlichen Lösungen, das haben die Wirksamkeitsberichte der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung in den vergangenen Jahren immer aufgezeigt.
Deshalb bitte ich Sie, der Motion zuzustimmen.