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Dittli Josef · Ständerat · 2023-09-19

Dittli Josef · Ständerat · Uri · FDP-Liberale Fraktion · 2023-09-19

Wortprotokoll

Wir haben dieses Jahr im Kanton Uri einen turbulenten Sommer erlebt, was den Transitverkehr betrifft. Da ist der Stau auf der Autobahn das eine, das Ausbrechen auf die Kantonsstrasse das andere. Überlagert wird das noch durch den Neat-Unfall, der mit zusätzlichem Verkehr auch gewisse Auswirkungen auf die Nationalstrasse hatte, und zu guter Letzt durch den Unfall bzw. den Deckenabbruch im Gotthard-Strassentunnel. Das ist jetzt so; aber ich möchte mich in meinen Ausführungen wirklich auf die Interpellation fokussieren.

Die Interpellation heisst ja "Stau am Gotthard. Ausweichen auf Kantonsstrasse verhindern". Gerade Letzteres, das Ausweichen, das Ausbrechen auf die Kantonsstrasse, ist für uns Urner eigentlich das Hauptproblem. Mit dem Stau auf der Autobahn, so unerfreulich er auch ist - er ist auch an anderen Orten unerfreulich -, können wir schon irgendwie leben. Aber wenn es dann so ist, dass ein rechter Teil der Autofahrenden eben auf Umwegen versucht, diesen Stau zu umfahren, dann wird es schwierig. Es ist ja so prophezeit worden. Die Interpellation habe ich Ende Mai eingereicht; es ist so eingetroffen, wie ich es befürchtet habe. Während des Sommers ist es praktisch täglich zu Stausituationen am Gotthard gekommen, und zwar zu Staus unterschiedlicher Länge. Vor allem an den Wochenenden war der Stau teilweise 15 bis 20 Kilometer lang. Das führte dann auch zu folgendem Effekt: Je länger der Stau war, umso mehr Personenwagen versuchten, auf die Kantonsstrasse auszubrechen.

Der Stau hat massiv zugenommen. Ich habe auch festgestellt, dass es ab etwa zwölf Kilometern, also wenn sich der Verkehr auf einer Länge bis zur Ausfahrt Erstfeld oder noch weiter zurückstaut, besonders schwierig wird. Denn dann [PAGE 820] fahren die Autos schon vom Axen her durch die Dörfer und gehen gar nicht mehr auf die Nationalstrasse, oder jene, die vom Seelisberg herkommen, gehen unten bei Altdorf von der Autobahn und fahren dann auch durch die Dörfer. Dies hat dazu geführt, dass an drei oder vier Wochenenden, an drei oder vier Samstagen, der Verkehr zwischen Altdorf und Erstfeld praktisch zum Erliegen kam, auf sämtlichen Kantons- und Nebenstrassen, auch auf landwirtschaftlichen Forstwegen - die Navis haben alle Wege gefunden, die irgendwie im Navi integriert sind. Das waren jene Situationen, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

Ich weiss, die Situation ist nicht ganz einfach. Ich weiss auch, dass das ASTRA zusammen mit den kantonalen Behörden an Lösungen arbeitet und entsprechende Massnahmen trifft. Ich möchte mich hier auch beim ASTRA, bei Herrn Röthlisberger und seinen Leuten, bedanken. Von der Arbeit mit den Behörden höre ich nur Positives, auch wenn die Auswirkung der Massnahmen mit unterschiedlichem Erfolg bedacht ist. Aber sie haben Massnahmen getroffen.

Es gibt eigentlich zwei Regimes. Das eine Regime an Massnahmen ist: Wenn der Gotthardpass geschlossen ist, also etwa von Ende Oktober bis Mitte Mai, ist das Hauptmerkmal des Regimes, dass die Auffahrten nicht nur in Göschenen, sondern auch in Wassen und allenfalls auch noch in Amsteg gesperrt werden. Das hat zur Folge - und das war sehr erfreulich -, dass die Dörfer praktisch entlastet wurden. Es ist niemand mehr auf die Kantonsstrasse ausgebrochen, weil man nicht mehr auf die Autobahn gekommen ist. Das hat sich grundsätzlich bewährt. Wenn man dann am Morgen und am Abend noch irgendeinen Slot für die Menschen aus dem Urserental findet - es werden jetzt sicher Auswertungen gemacht -, dann, würde ich meinen, ist das ein gutes Regime. Ich meine also, für den Winter haben wir bereits das Maximum ausgeschöpft, sodass der Verkehr tatsächlich auf der Nationalstrasse bleibt.

Schwieriger ist es im Sommerverkehr, also ab Mitte Mai bis Ende Oktober/Anfang November. Dann ist eben der Pass offen, und dann ist der Pass auch eine Entlastungsroute. An sich wenig Probleme bereitet diese Entlastungsroute zwischen Göschenen und Airolo. Dort ist die Strasse gut ausgebaut, und sie ist relativ leistungsfähig - relativ leistungsfähig. Schwieriger wird es unterhalb von Göschenen: angefangen von Altdorf alle Ausfahrten hinauf bis nach Göschenen. Dort hat man auch Massnahmen getroffen, indem man die Autobahnauffahrten schliesst - bei Göschenen ist das ja schon länger der Fall - und die anderen Autobahnausfahrten bewirtschaftet. Insbesondere bewirtschaftet man heute Amsteg und Erstfeld, wenn der Stau lang genug ist. Das hat eigentlich gut gefruchtet. Heute ist es so, dass es mit diesen Bewirtschaftungsmassnahmen gelingt, einen grossen Teil von jenen, die ausbrechen wollen, wieder zurückzuführen - auch wenn das hie und da wüste Szenen gibt, da das nicht alle akzeptieren. Aber irgendwie hat sich das bewährt.

Man hat auch als Provisorium die Autobahnausfahrt Göschenen bis nach Wassen verlängert - eigentlich ein gutes Element. Aber da muss ich jetzt einfach feststellen: Dieses Element ist noch nicht zum Fliegen gekommen. Erstens hat man es gar nicht recht realisiert, und es war auch von der Signalisierung her nicht erkenntlich, dass man den verlängerten Pannenstreifen befahren kann. Zweitens ist das Regime auch so ausgelegt, dass man, wenn man von Wassen her auf diese verlängerte Ausfahrt fährt, zuerst in den Stau einfädeln muss. Das hat zur Folge, dass gar niemand mehr dieses Angebot nutzt. Und es war in diesem Sommer leider so, dass die meisten nach wie vor in Wassen die Autobahn verliessen, durch das Dorf fuhren und dort für Lärm und Stau[NB]sorgten.[NB]Für[NB]Wassen[NB]ist[NB]diese Aktion bisher noch nicht gelungen.

Ich bitte hier darum, dass man das System mit der bis nach Wassen verlängerten Ausfahrt Göschenen verbessert. Dort ist noch ein grosses Potenzial vorhanden. Mit dieser Massnahme, wenn man also auch Wassen noch bewirtschaftet, kann man auch dafür sorgen, dass oben beim Kreisel Göschenen kein Rückstau entsteht. Ich bin sicher, dass Jürg Röthlisberger mit seinen Leuten und der Kanton versuchen, da etwas herauszuholen.

Das zweite Problem haben wir, wenn der Stau länger als zwölf Kilometer ist, also vor der Ausfahrt Erstfeld beginnt. Ab dem Moment verlassen die Autos die Autobahn in Flüelen und Altdorf und fahren durch die Gemeinden. Hier bitte ich, zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, die ganze Angelegenheit grossräumiger anzugehen: Wenn der Stau bis Ripshausen geht, sollte man versuchen, den Verkehr schon vor dem Seelisbergtunnel anzuhalten, damit die Navis die Leute nicht automatisch von der Autobahn ableiten. Das ist eine weitere Massnahme, von der ich überzeugt bin, dass es mit ihr gelingt, dafür zu sorgen, dass der Verkehr gar nicht erst durch die Dörfer fährt. In diesem Sinne meine ich, dass Potenzial da ist, um dieses Ausbrechen auf die Kantonsstrasse zu verhindern oder zumindest stark zu reduzieren.

Jetzt ist noch dieser Unfall im Gotthard-Strassentunnel passiert; die Decke ist heruntergekommen, es war nicht wirklich ein Unfall. Aber das hat dazu geführt, dass während dieser Woche - es war zum Glück nur eine Woche, besten Dank für das schnelle Handeln - der ganze Verkehr über den Pass ging. Da kam auch die Schöllenenstrasse an ihre Grenze. Es empfiehlt sich, zu überlegen, ob man nicht die Dosierstellen in Göschenen und Airolo auf der Autobahn dazu nutzen könnte, den Verkehr dort etwas zurückzuhalten, damit weniger Verkehr gleichzeitig die Schöllenenschlucht hinauf und auf der Tremola hinunter fährt - ich weiss natürlich, dass die Autos nicht mehr auf der Tremola, sondern auf der neuen Passstrasse fahren. Damit könnte auf dieser Strecke zügiger gefahren werden.

Ich weiss, es ist nicht ganz einfach. Ich bin aber in diesem Sinne zuversichtlich, dass es gelingt, diese Situation zu verbessern, wenn man gut zusammenarbeitet. Es wurde schon viel getan. Wenn man gut zusammenarbeitet, kann noch vieles verbessert werden. In diesem Sinne danke ich dem Bundesrat und bitte ihn, uns in diesen Bestrebungen weiterhin zu unterstützen.