Riem Katja · Nationalrat · 2023-12-04
Riem Katja · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2023-12-04
Wortprotokoll
Sehr geehrter Herr Alterspräsident, Herr Bundespräsident, Frau Vizepräsidentin des Bundesrates, meine Damen und Herren Bundesräte, Herr Vizepräsident des Nationalrates, Herr Bundeskanzler, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren, (discurra sursilvan) en questa bellezza sala en la bella citad principala da Berna - sco part da la Svizra che ma fascinescha dapi adina - astgan represchentantas e represchentants dal pievel svizzer cumenzar oz la 52avla legislatura.
Nicht aufgrund aussergewöhnlicher Qualifikationen, sondern einfach als jüngstes Mitglied dieser Versammlung kommt mir das Privileg zu, einige Worte an Sie zu richten. Symbolträchtig dürfen der Alterspräsident und ich die verschiedenen Generationen verknüpfen und einander näherbringen. Es ist mir eine riesige Ehre!
Generationen - diesem Thema möchte ich mich in den nächsten paar Minuten widmen.
1942: à cette époque, l'Europe souffre tragiquement de la Seconde Guerre mondiale. La Suisse compte près de 4,3 millions d'habitants; les besoins en farine sont rationnés de 400 à 500 grammes par personne et par mois. L'ancien conseiller fédéral Adolf Ogi naît dans le petit village de montagne de Kandersteg. C'est cinquante-quatre ans après, soit presque deux générations plus tard, que je vis le jour, et bien des choses ont évolué depuis. Adolf Ogi a récemment fêté son 80e anniversaire. La semaine dernière, vous avez peut-être, vous aussi, eu la chance d'entendre parler de lui dans la presse.
Sie werden sich fragen: Wieso erzählt jetzt eine junge Nationalrätin von einem Altbundesrat? Ist das wirklich passend?
Als ich hinsass und versuchte, einige Worte für die heutige Rede zu finden, habe ich meine alten Schulbücher hervorgeholt und mir die Kapitel zur Rhetorik noch einmal genauer angesehen. Und siehe da, schon ploppte er auf, unser alt Bundesrat Dölf Ogi. Wir haben damals seine Rede zum Jahrtausendwechsel analysiert, man hat sie auch "die gerufene Rede" genannt. Ich bin mir sicher, einige von Ihnen erinnern sich daran, wie er mit einer kleinen Tanne vor dem Portal zum Lötschberg-Basistunnel stand und die Festansprache in die Kamera rief.
Da ich heute mit einem praktischen Mikrofon ausgerüstet bin, muss ich nichts rufen, aber ich lasse mich sehr gerne vom Inhalt seiner damaligen Rede inspirieren. Da es etwas umständlich gewesen wäre, eine Tanne mit ins Bundeshaus zu bringen, habe ich etwas Einfacheres gesucht. Was würde besser zu einer Winzerin passen als ein kleiner Rebstock? Dieser Rebstock wird von drei verschiedenen Ranken geziert. Ähnlich wie Adolf Ogi möchte ich diese Ranken drei verschiedenen Punkten widmen, die in meinen Augen die kommende Legislatur prägen sollten.
Die erste Ranke gehört dem Volkswillen. Wir dürfen als gewählte Volksvertreterinnen und Volksvertreter hier sein. Unsere Aufgabe ist es, die Anliegen der Bevölkerung einzubringen und zur Diskussion zu stellen - das ist eine der ehrenvollsten Aufgaben, die es nur geben kann. Wie die Rebe mit den Wurzeln im Boden verankert bleibt, ist es auch unsere Aufgabe, mit der Bevölkerung, mit dem Volkswillen verbunden zu bleiben. Dazu sind wir hier: am Boden bleiben und niemals vergessen, warum und für wen wir hier sind. Wir dürfen Stadt und Land, Alt und Jung, Akademiker, "Büezer" und Bauern, grosse und kleine Kantone, vier verschiedene Sprachen und Regionen zusammenbringen. Diese Verbundenheit mit den Bürgerinnen und Bürgern macht unser politisches System doch erst so einzigartig - oder nicht?
Die zweite Ranke steht für die Selbstständigkeit. Unsere Freiheit ist ein kostbares Gut. Die Schweiz ist aus dem unbändigen Drang unserer Vorfahren nach Freiheit, Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung entstanden. Diese Werte bilden auch die Grundlage für die Erfolgsgeschichte unseres Landes und dessen Wohlstand. Es ist deshalb in meiner Auffassung eine Selbstverständlichkeit, unsere Eigenständigkeit zu wahren, diesen Wert hochzuhalten und dafür einzustehen. Dafür brauchen wir wieder etwas mehr Mut - und vielleicht auch etwas mehr Demut gegenüber unseren Vorfahren und unserer Geschichte. Wir haben Wurzeln, wie dieser Rebstock. Tragen wir Sorge zu den Wurzeln der Schweiz.
Die dritte Ranke widme ich der Innovation und der Weiterentwicklung. Damit die Schweiz ihre Erfolgsgeschichte weiterschreiben darf, müssen wir Weiterentwicklung und Innovation ermöglichen. Das ständige Bremsen mit immer neuen Gesetzen, Auflagen, Abgaben und Vorgaben macht eine nachhaltige Weiterentwicklung unseres Wohlstandes schwierig. Die Rebe braucht feste Wurzeln und die Freiheit des Himmels, damit sie wachsen und Früchte tragen kann.
Damit auch meine Generation aktiv und engagiert sein und Unternehmen gründen und weiterführen kann, damit wir die [PAGE 2178] Landesversorgung mit Energie, Gesundheit, Bildung und Ernährung sicherstellen können und damit sich die Schweiz als Ganzes weiterentwickelt - dazu braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und die Freiheit, neue Ideen zuzulassen. Dieses Anliegen liegt mir besonders am Herzen.
Die drei Ranken ergeben zusammen einen Rebstock, der gedeihen kann und schon bald erste Früchte tragen wird. So hoffe ich, dass auch unsere Schweiz mit diesen drei Werten gedeihen kann und Früchte tragen wird - und sich nicht allzu sehr von all den äusseren Einflüssen verbiegen lässt.
Manchmal ist es gut, wenn wir an unsere Traditionen anknüpfen und auf die älteren Generationen hören, so wie ich heute versuchte, die Rede von alt Bundesrat Adolf Ogi noch einmal aufleben zu lassen. Aber genauso wichtig wie die alten, schönen Traditionen und Vorgehensweisen ist es auch, dass wir uns immer wieder auf neue Möglichkeiten und Ideen einlassen, dass wir den neuen Generationen Platz verschaffen und so zusammen den Rebstock - ein Symbol für unsere Werte - pflegen. Als Zeichen dieser guten Zusammenarbeit würde ich diesen Rebstock gerne dem Alterspräsidenten als kleines Geschenk mit auf den Weg geben.
Ich bin mir sicher, dass Sie ihn gut umsorgen werden.
C'est avec plaisir que je vous fais part de mes connaissances de vigneronne. Si un cep de vigne est bien entretenu, les premiers raisins sont obtenus après deux ans, les premières grappes après trois ans et une première récolte complète après quatre ans. Comme vous le savez, un bon raisin donne du bon vin. Je serai très heureuse si, dans quatre ans, à la fin de cette législature, nous pouvons, en regardant le travail accompli, trinquer avec un bon verre de vin aux résultats positifs obtenus pour le peuple suisse.
Ich habe meine Rede in der Muttersprache von Martin Candinas begonnen - oder habe es wenigstens versucht. Nicht nur die Generationen, auch die Legislaturen müssen verbunden werden. Es liegt jetzt an uns, die angefangenen Dossiers weiterzuentwickeln und im Interesse der Bevölkerung umzusetzen. Wir haben das Vertrauen und tragen die Verantwortung, für das Schweizervolk gute Lösungen zu finden und für seine Bedürfnisse einzustehen. Ich freue mich enorm auf die bevorstehende Zusammenarbeit.
Ich möchte meine Gedanken wiederum auf Rätoromanisch abschliessen:
(discurra sursilvan) Lain far il meglier pussaivel or da la 52avla legislatura e laschar trair tut las generaziuns vi dal medem sughet. Per nossa Svizra, pour la Suisse, per la Svizzera, für unsere Schweiz! (Grosser Beifall)