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Bruderer Pascale · Nationalrat · 2003-05-05

Bruderer Pascale · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-05-05

Wortprotokoll

Bildung ist nicht gratis und franko zu haben, im Gegenteil. Ich zitiere John F. Kennedy: "Es gibt nur eines, was auf die Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung." Diese wahren Worte machen klar, dass Bildung mehr ist als ein blosser Ausgabenposten, mehr als blosse Betriebskosten. Ausgaben für Bildung und Forschung - wir haben es nun mehrmals gehört - sind Investitionen, Investitionen in die Zukunft. Sie amortisieren sich eben nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten. Das gilt auch - und logischerweise insbesondere - für die Schweiz, welche eine enorm wissensbasierte Volkswirtschaft aufweist. Das heisst: Hier hat die Politik - mehr noch als anderswo - ihre eigentliche Verantwortung wahrzunehmen, nämlich langfristig und umsichtig zu denken und zu handeln.

Die Bildungsaufgaben dürfen und können sinnvollerweise nicht nur und ausschliesslich an der finanzpolitischen Forderung nach einem Nullwachstum der Schulden gemessen werden. Im Gegenteil ist die Politik hier gefordert, unser Land - schwergewichtig und auf intelligente Weise - in Bildungsfragen wieder auf Kurs zu bringen: Unser Land, welches im Begriff ist, im internationalen Vergleich an Terrain einzubüssen, unser Land, welches sich in den Neunzigerjahren ärgerlicherweise und in nicht nachvollziehbarer Weise erlaubt hat, kurzfristiger denn je zu denken. Wir haben im Bildungs- und Forschungsbereich massiv gekürzt, sodass die Innovation vielerorts im Keim erstickt worden ist. Woher nehmen wir unsere ureigene Innovationsfähigkeit, wenn nicht aus der grauen Materie, die - wie mehrmals gesagt worden ist - unser wichtigster Rohstoff ist? Der Bund bezahlt den Universitäten heute gerade einmal einen Drittel jenes Betrages, der vor 20 Jahren als Grundbeitrag ausbezahlt wurde. Die Kantone und die Universitäten bekamen und bekommen dies zu spüren. Es ist darum nicht nur richtig, sondern absolut notwendig, dass wir hier die Beiträge wieder aufstocken.

Ich bin selber Studentin an der Universität Zürich, und es ist mir ein Anliegen, die Generation der Studierenden aus den überfüllten Vorlesungssälen hier auch ein bisschen zu vertreten.

Lesen Sie in der Botschaft, wie krass die Diskrepanz zwischen Soll und Haben in Bezug auf das Betreuungsverhältnis ist: Die Konferenz der Rektoren der Schweizer Universitäten (Crus) empfiehlt in den Sozial- und Geisteswissenschaften ein Betreuungsverhältnis von 1 zu 40, tatsächlich [PAGE 553] beträgt es aber heute z. B. in der Soziologie 1 zu 170. Das ist nicht etwa ein Extrembeispiel, denn in den Medienwissenschaften und in anderen Fächern sieht es noch schlimmer aus. Die Bemerkungen und Forderungen in der Botschaft auf den Seiten 2406 und 2407 lassen aufhorchen. Das Problem der Betreuungsverhältnisse wird sich aber nicht einfach so lösen: Es wäre vielleicht wünschbar, aber es ist absolut unrealistisch, dies anzunehmen. Bildung ist kein vollkommener Markt, der sich kurzfristig einfach so durch Marktmechanismen von selbst reguliert, und es wäre dumm von uns, dies anzunehmen.

Studierende der am ärgsten betroffenen Fächer wechseln vielleicht in andere Fächer, weil es unattraktiv ist, ihr eigenes Fach zu studieren. Sie wechseln aber in andere Fächer, die nicht unbedingt ihren Wünschen, Neigungen und Fähigkeiten entsprechen. Das ist der allseits erwarteten "Exzellenz" unseres Bildungsstandortes, unserer Bildungslandschaft nicht gerade förderlich. Vielmehr ist es ein für die Studierenden sehr frustrierender, demotivierender Weg.

Ein Wort zur Stipendiensituation: Wir setzen ja die Bologna-Deklaration um. Das ist eine grosse Herausforderung, die viele Änderungen mit sich bringen und die eben auch etwas kosten wird; das ist klar. Mitunter wird die Tendenz mit dem Übergang zum Bachelor-Master-System in Richtung Vollzeitstudium gehen. Einerseits wird es also mehr Vollzeit- und weniger Teilzeitstudierende geben. Im Moment sind aber 80 Prozent aller Studierenden nebenbei erwerbstätig, weil das Studium - nicht nur, aber auch - ja finanziert werden muss. Andererseits wird mit der Bologna-Deklaration auch ausdrücklich mehr Mobilität verlangt, was an sich als positiv zu bewerten ist. Aber diese Veränderungen dürfen nicht dazu führen, dass gewissen Leuten der Zugang zur Tertiärbildung indirekt verwehrt wird. Dessen müssen wir uns bewusst sein.

Bereits in einer WBK-Motion aus dem Jahr 1999 wird festgehalten, dass zusätzliche Mittel für die Mobilität der Studierenden gesprochen werden müssen, damit die Mobilität eben nicht an den Finanzen scheitert. Wie ist es möglich, dass die BFT-Botschaft für die Jahre 2004-2007 nichts in dieser Richtung erwähnt? Im Gegenteil: Kein Bereich wird so minimal berücksichtigt wie die Stipendien. Für die Finanzierung der Bologna-Massnahmen hat die Crus einen Betrag gefordert, welcher dreimal so hoch ist wie jener, der jetzt in der Botschaft eingesetzt ist. So ist die Umsetzung von "Bologna" in der Schweiz denkbar schlecht vorbereitet. Der Erfolg dieser Reform steht und fällt natürlich mit der Umsetzung. Man kann ohne die Bereitschaft, die dazu notwendigen Mittel auch wirklich zu sprechen, nicht ernsthaft etwas unterschreiben. "Bologna" könnte, international wie auch national betrachtet, eine grosse Chance für uns bedeuten. Aber diese Reform hätte anders angepackt werden müssen; sie hätte breit diskutiert und auch in ihren sozialen Auswirkungen vorgängig - vor der Ratifizierung und vor der eigentlichen Umsetzung - kritisch hinterfragt werden müssen.

Eintreten ist für uns absolut unbestritten, das ist klar. Ich bitte Sie, dieser Empfehlung zu folgen.