Leu Josef · Nationalrat · 2003-05-07
Leu Josef · Nationalrat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion · 2003-05-07
Wortprotokoll
Mit der Mehrheit der CVP-Fraktion unterstütze ich als integriert produzierender Landwirt aus Überzeugung die Minderheit Favre. Ich tue dies auch in Übereinstimmung mit meiner früheren persönlichen Haltung und der Haltung der CVP-Fraktion im Abstimmungskampf um die Genschutz-Initiative im Jahre 1998. Der Grundsatz "Strenge Regelungen ja, Verbote nein" wurde von unserer Fraktion auch bei der kürzlichen Beratung der Gen-Lex durchgehalten und von diesem Parlament klar bestätigt. Ich wehre mich dagegen, dass jetzt durch die Hintertür der "Agrarpolitik 2007" solche Volks- und Parlamentsentscheide einfach umgekippt werden.
Wie die Konsumentenseite die Wahlfreiheit beansprucht, beanspruche auch ich als bäuerlicher Unternehmer die Wahlfreiheit, je nach Marktbedürfnissen Lebensmittel mit oder ohne GVO zu produzieren. Das "Verbot auf Zeit" würde jene Bauern bevormunden - und dazu zähle ich mich -, die neuen landwirtschaftlichen Lösungen offen gegenüberstehen. Zwar dürfen gentechnisch veränderte Pflanzensorten erforscht und in kleinen Feldversuchen freigesetzt werden, ihre landwirtschaftliche Anwendung wäre jedoch von vornherein verboten. Dagegen wehre ich mich.
Ich finde es unverantwortlich, wenn positive Entwicklungen der Genforschung im Pflanzenbereich einfach ausser Acht gelassen werden. Umweltschutz- und Konsumentenkreise tolerieren nach wie vor, dass beispielsweise bei der biologischen Methode im Kartoffel- oder Rebbau nichtabbaubares Kupfer eingesetzt werden darf, obwohl heute mit neuen Technologien weit ökologischere Möglichkeiten vorhanden wären. Das erstaunt mich.
Ich fühle mich als Vertreter jener Bäuerinnen und Bauern, die sich nicht aus kurzfristigen Überlegungen vor den Karren von fundamentalistischen Gentechnikgegnern spannen lassen. Damit will ich ein klares Zeichen der Verlässlichkeit und der Partnerschaft gegenüber jenen Kreisen setzen, die sich für den Werk- und Forschungsplatz Schweiz engagieren, die aber auch und immer wieder und trotz der hohen Aufwendungen für die Landwirtschaft Sympathie und Unterstützung für eine zukunfts- und leistungsorientierte Landwirtschaft an den Tag legen. Dafür danke ich hier und heute. Ich will nicht, dass jene Kreise, die Wesentliches zur Erarbeitung der Mittel für die Landwirtschaft beitragen, an der traditionellen Verlässlichkeit einer bürgerlich orientierten Landwirtschaft zweifeln müssen.
Ich bitte Sie eindringlich, mit der Mehrheit der CVP-Fraktion, der Minderheit Favre zuzustimmen.