Kälin Irène · Nationalrat · 2024-05-30
Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2024-05-30
Wortprotokoll
Das Cites-Übereinkommen zu den gefährdeten Arten soll sicherstellen, dass der Handel mit Tieren und Pflanzen nachhaltig erfolgt und die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten nicht weiter bedroht werden. Die Schweiz ist seit 45 Jahren Vertragspartei des Übereinkommens.
Das Cites-Übereinkommen existiert seit 1973 und umfasst rund 5600 Tier- und 30[NB]000 Pflanzenarten. 183 Länder sind ihm inzwischen angeschlossen. Es basiert auf den Säulen der Rechtmässigkeit, Dauerhaftigkeit und Rückverfolgbarkeit. Das Übereinkommen enthält drei Anhänge mit der Nennung von Tieren und Pflanzen geschützter Arten, die vom internationalen Handel betroffen sind.
Jährlich werden rund fünfzig Cites-pflichtige Wildtiere oder Teile davon als Jagdtrophäen in die Schweiz eingeführt. Wie hoch die Zahl der Importe von Arten ist, die nicht dem Cites-Handelsabkommen unterliegen, ist allerdings nicht bekannt. Genau hier liegt das Problem, und genau hier setzt die Motion Schneider Meret an.
In den Anhängen von Cites werden nur handelsrelevante Arten berücksichtigt. Diese Arten sind jedoch nicht deckungsgleich mit jenen Arten, die gemäss der Roten Liste der[NB]Weltnaturschutzorganisation International Union for Conservation of Nature (IUCN) bedroht sind. So stehen beispielsweise der Bergriedbock, die Rehantilope, der Kaffernbüffel oder der Buschmannhase auf der Roten Liste der bedrohten Arten und sind teilweise unmittelbar vom Aussterben bedroht. Keine dieser Tierarten unterliegt jedoch dem Cites-Abkommen. Deshalb will die Motion die Einfuhrbewilligungspflicht auf alle bedrohten toten Wildtiere oder Teile dieser Tiere ausweiten. Die Einfuhrbewilligungspflicht soll damit nicht nur für Cites-gelistete Arten, sondern für alle gemäss der Roten Liste der IUCN bedrohten Wildtiere und Bestandteile gelten, denn den vom Aussterben bedrohten Tieren ist es ziemlich egal, auf welcher Liste sie gelistet sind.
Entgegen der Stellungnahme des Bundesrates sprechen wir hier nicht vom Artensterben aufgrund von Umwelteinflüssen oder des Klimawandels, auch wenn es das natürlich auch gibt. Wenn Tiere ihren Lebensraum aufgrund des Artensterbens oder des Klimawandels verlieren, gelangen diese jedoch nicht als Trophäen in den Handel. Wir reden hier von Trophäen, vom illegalen Abschlachten bedrohter Arten. Wir reden von der Jagd auf Wildtiere, einzig und alleine mit dem Ziel, das ganze Tier oder eben Teile davon zu konservieren oder als Trophäe zur Schau zu stellen. Je seltener eine Art ist und je grösser die Hörner, die Mähne oder die Stosszähne sind, desto begehrter ist ein Tier als Jagdtrophäe.
Es geht hier auch nicht um die Jagd, wie wir sie kennen und schätzen. Es ist keine Jagd, die aus einem nachhaltigen, aus einem ernährungstechnischen oder sonst einem vertretbaren Interesse stattfinden würde. Vielmehr dient die Jagd alleine dem Spass am Töten und der Befriedigung eines gewissen sportlichen Ehrgeizes. Ich bin kein besonders grosser Fan von Globi, aber mein Sohn ist es. Und es ist und bleibt bizarr, ihm erklären zu müssen, wieso Globi einem Nashorn das Horn abschneidet, um ihm das Leben zu retten, weil Wilderer hinter ihm her sind. Es ist unerklärbar und unverzeihbar.