Joder Rudolf · Nationalrat · 2003-06-02
Joder Rudolf · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2003-06-02
Wortprotokoll
Mit dieser Motion wird verlangt, dass unsere nationale Airline Swiss die Regionalflughäfen Bern und Lugano dauerhaft in ihr Luftverkehrs-Liniennetz integriert und regelmässig mit Linienflügen bedient. Der Anschluss an den nationalen und internationalen Linienflugverkehr der Swiss ist für die Wirtschaftsräume Bern, für den Espace Mittelland und für den Wirtschaftsraum Lugano/Tessin von grosser Wichtigkeit. Darüber können eigentlich keine Zweifel bestehen. Wegen dieser Wichtigkeit und wegen dieser wirtschaftlichen Bedeutung wird zurzeit auch der Flughafen Bern ausgebaut, und zwar auf Engagement der Flughafengesellschaft Alpar AG, aber auch unter Einsatz des Kantons. Auch der Bund hat seine Bundesbasis im Jahre 1999 mit einer Investition von rund 18 Millionen Franken erneuert. Die Piste wurde und wird immer noch verlängert, es gibt einen neuen Terminal usw.
Dass der Anschluss der Regionalflughäfen an das Streckennetz der Swiss wichtig und notwendig ist, ist auch grundsätzlich die Meinung des Bundesrates. In seiner Antwort auf die vorliegende Motion schreibt er am 15. März 2002: "Das Projekt 'Phoenix plus' zielt zwar auf eine Verkleinerung des bisherigen Swissair-Streckennetzes, nicht aber auf eine Reduktion des Angebotes an Regionallinien, auch nicht auf den Flughäfen Bern und Lugano." Weiter heisst es: "Die regionalen Linienverbindungen ab Lugano und Bern erfüllen eine wichtige Zubringerfunktion für Verkehrsdrehscheiben wie Zürich oder Basel. Gemäss Auskunft der Verantwortlichen der Crossair besteht daher auch keine Absicht, den heutigen Bedienungsstandard auf den Flughäfen Bern und Lugano grundlegend zu ändern." So weit die Ausführungen des Bundesrates.
Diese Aussagen treffen heute leider nicht mehr zu. Ende März hat die Swiss ihre bisherigen vier täglichen Rotationen Bern-Basel drastisch reduziert. Heute finden noch ein Morgenflug ab Bern und ein Abendflug ab Basel statt. Reduziert wurde auch das Angebot ab Lugano. Die Folge dieser Reduktion ist, dass die Fluggesellschaft Swiss in den Wirtschaftsräumen der Region Bern, des Espace Mittelland und - ich gehe davon aus - auch in Lugano markant Marktanteile verliert. Dies im Gegensatz zur früheren Crossair, die ab Bern gute Erträge erwirtschaften konnte und das vorhandene Marktpotenzial ausgenützt hat. Bis zum Jahre 2001 hatte die ehemalige Crossair einen Marktanteil in Bern von [PAGE 764] rund 40 Prozent. Heute beträgt der Anteil nicht einmal mehr 10 Prozent. Es geht immerhin um einen Wirtschaftsraum von rund 1,5 bis 1,9 Millionen Einwohnern mit rund 6000 Unternehmungen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Swiss um dieses wesentliche Marktpotenzial kaum mehr kümmert - die Swiss, unsere nationale Fluggesellschaft, die wir mit Milliardenbeträgen seitens der öffentlichen Hand angeschoben haben!
Es geht hier um Bern, es geht um das Tessin, aber es geht auch um Basel, weil der Ausbau der Linien ab Bern nur über Basel erfolgen kann. Ich fordere deshalb den Bundesrat mit diesem Vorstoss auf, seinen Einfluss in der Leitung der Swiss geltend zu machen, dass die Fluggesellschaft Swiss die Regionalflughäfen Bern und Lugano als Destinationen ernst nimmt und mit marktgängigen Angeboten in ihr Luftverkehrsliniennetz aufnimmt. Die heutige Situation ist absolut unbefriedigend.
Ich ersuche Sie, dieser Motion zuzustimmen.