Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2024-09-11
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2024-09-11
Wortprotokoll
Für uns Grüne ist es klar: Wir treten ein, und wir werden dem Entwurf der Kommission auch zustimmen, das ist das Minimum. Auch wir haben keine Freude, dass wir einmal mehr über eine Übergangssituation diskutieren. Es wäre aber noch viel schlimmer, wenn wir einen Abbruch produzieren würden. Wir finden es auch ärgerlich, dass der Ständerat mehr Zeit braucht.
Noch einmal: Das Wichtigste ist, keinen Abbruch zu produzieren, sondern diese Anschubfinanzierung weiterzuführen. Sie wissen, dass das Programm sehr erfolgreich ist. Wir haben damit über 76[NB]000 Plätze geschaffen - das ist ein Fact -, und es wären deutlich mehr nötig. Wir haben leider[NB]immer[NB]noch[NB]viele Lücken, nicht zuletzt bei den Arbeitsbedingungen. Es sind zu wenige ausgebildete Personen vorhanden; viel zu viele Praktikanten und Praktikantinnen arbeiten da, ohne zu wissen, ob sie nachher wirklich eine Lehrstelle erhalten. Der Betreuungsschlüssel ist oft zu tief, obwohl so das Bildungspotenzial, das bei den Kindern gefördert werden könnte, brachliegt. Gerade Bildungsferne und Kinder, die nicht die jeweilige Landessprache sprechen, können so nicht profitieren.
Leider entsprechen auch die Arbeitsbedingungen nicht der Qualifikation, die diese Personen mitbringen. Der Lohn ist oft knapp oder nicht existenzsichernd. Der Lohnanstieg ist praktisch gleich null. Der Beruf an sich ist klar unterbewertet, weil er ein sogenannter Frauenberuf ist. Er müsste dringend aufgewertet werden.
Die Krippen kennen leider - das ist nicht ihr Fehler - eine Unterfinanzierung, obwohl der Elternbeitrag, verglichen mit anderen Ländern in Europa, viel zu hoch ist. Auf der einen Seite geht es nicht ohne öffentliche Unterstützung, das geht mittlerweile aus allen Studien klar hervor. Der hohe Elternbeitrag hält auf der anderen Seite viele Frauen davon ab, überhaupt einen Beruf auszuüben, weil es zu teuer ist. Das können wir uns in einer Zeit des Arbeitskräftemangels aber nicht leisten.
Noch einmal: Für uns ist der Fortbestand dieses Programms zentral. Das Ziel ist für uns klar: Kinderbetreuung ist ein Teil des Service public, ein Teil der Bildung. Bei guter [PAGE 1425] Kinderbetreuung ist ein riesiges Potenzial für Bildung vorhanden, z.[NB]B. bezüglich der Sprache, denn kleine Kinder können locker mehr als eine Sprache lernen, wenn man ihnen das spielerisch beibringt. Mit einer guten Kita-Betreuung sind die sozialen, kognitiven und motorischen Lernmöglichkeiten im Zusammenspiel mit den anderen Kindern gross. Die Kinderbetreuung ist das Element, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf überhaupt ermöglicht. Das ist ein zentraler Faktor für die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Deshalb noch einmal: Wir stimmen zu, wir treten ein, und wir sind selbstverständlich für einen nahtlosen Übergang ab dem[NB]1.[NB]Januar 2025.
Folgende Schlussbemerkung: Es gibt verschiedene Studien, die zeigen, dass ein hier investierter Franken drei bis vier Franken in Form höherer Steuern oder mehr Beschäftigung generiert. Das ist eine Win-win-Situation, die eigentlich alle überzeugen müsste.