Galli Remo · Nationalrat · 2003-06-04
Galli Remo · Nationalrat · Bern · Christlichdemokratische Fraktion · 2003-06-04
Wortprotokoll
Wir alle wissen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft und ihrer Internationalisierung besteht. Die Erfolgschancen basieren auf einem koordinierten Auftritt, am besten mit einem nationalen Label. Dies haben die meisten Länder erkannt: Sie haben eine staatliche Wirtschaftsförderung aufgebaut und in den letzten Jahren sogar massiv forciert. Auch die Schweiz hat nachgezogen und hat die Osec neu organisiert als Business Network Switzerland, noch "en rodage", mit dem Motto "Wohlstand im Inland dank Handelsförderung im Ausland".
Vergleichen wir den Aufwand kleiner Länder: Schweden und Holland haben das Zweifache, Finnland hat das Sechsfache, Dänemark das Siebenfache und Österreich gar das Neunfache budgetiert. Anders gesagt: Für all diese Industriestaaten ist eine staatliche internationale Wirtschaftsförderung für KMU eine Selbstverständlichkeit, trotz Liberalismus und Globalisierung. Sie haben in den letzten Jahren besser dagestanden als wir.
Warum tun wir uns in der Schweiz - als wären wir wieder ein Sonderfall - so schwer damit? Wenn man die Osec in Zürich und ihre Hubs im Ausland besucht, wenn man im Ausland Schweizer Firmenvertreter und Ausländer befragt, so trifft man allgemein auf Anerkennung - ja, es gibt sogar Anfragen ausländischer Organisationen nach Osec-Know-how, nach Osec-Mitwirkung, wie London gezeigt hat. Am Zielort gibt es also Anerkennung, in der Schweiz Neider - nicht zuletzt, weil halt Neider auftreten, wenn eine Institution Erfolg hat.
Die Osec ist etwas anderes als Vermittlungsfirmen oder spezialisierte Handelskammern:
1. Die Osec ist - übrigens mit den integrierten Euro Info Centers Schweiz (EICS) - eben eine Plattform mit umfassenden Daten und Beziehungen. Sie ist ein in- und ausländisches Netzwerk, das sich für KMU anbietet, mit Wissen per Knopfdruck, als "first door" und Call Center, als Tür- und Marktöffner, als Abklärungs- und Beratungsinstrument, als Formalitäten- und Tarifsammler - weltweit und eben nicht nur für ein Zielland alleine -, als Mediator für Genehmigungen, als Organisator innovativer und beliebter Wirtschaftskonferenzen, bis sich eine KMU für Einstiegsschritte in einem ausländischen Markt entscheidet. Ist es so weit, vermittelt die Osec Beratungsfirmen, spezielle Handelskammern usw., neuerdings übrigens auch auf der eigenen Website.
2. Die Verknüpfung der Hubs mit Botschaften bringt für Schweizer KMU im Vergleich zu traditionellen Handelskammern viele von Konkurrenznationen beneidete Vorteile. Mit den Schweizer Handelskammern arbeitet die Osec übrigens so oder so zusammen. Das Wissen von Handels- und Wissenschaftsattachés kann für Marktrecherchen genutzt werden, das Botschaftsnetzwerk kann Kontakte zu Politik, Justiz und Zollwesen optimal ergänzen. Das Seco hat mit der Osec ein einmaliges Potenzial für umfassende Recherchen und Netzwerke geschaffen, das sicher verbesserungsfähig ist, das es jetzt aber nicht unter Misstrauensdruck zu setzen gilt.
Unterlagen hatten wir: nach der Reorganisation und nach durchschnittlich einem Jahr Betriebszeit der Hubs immerhin monatlich 23 000 Internetabfragen, 100 konkrete Intensivkontakte im Service Center Zürich, 16 000 Kontakte und 2000 persönliche Gesprächsrunden in den Hubs im Hub-Jungfernjahr, 23 Gemeinschaftsstiftungen an Messen, mit einem sehr kleinen Budget notabene.
KMU-Förderung im Ausland ist Teil der Aussenwirtschaft, ist auch Aussenpolitik. Das braucht die Schweiz ebenso wie andere Kleinstaaten. Die CVP-Fraktion unterstützt den begonnenen Weg, ist für dessen Fortsetzung und wünscht einen Zweijahresrhythmus, damit die Erfahrung mit den Hubs nach zwei bis drei Jahren ausgewertet werden kann.
Eine Rückweisung wäre falsch. Der gegen hundert Jahre alte Osec-Baum ist von uns vor drei Jahren gestutzt, neu gepfropft worden; er beginnt zu spriessen - schneiden wir die Knospen jetzt nicht ab! Eine Neuausschreibung können wir uns heute schon der KMU und der bestehenden Auslandkontakte wegen nicht leisten.