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Graber Michael · Nationalrat · 2024-09-26

Graber Michael · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2024-09-26

Wortprotokoll

Wenn Sie mit dem Auto in meine Heimat, ins Oberwallis, fahren, dann müssen Sie gut organisiert sein: Entweder fahren Sie über den Furkapass, den Grimselpass oder den Nufenenpass, selbstverständlich nur im Sommer, oder Sie bezahlen einen Wegzoll, um den Autoverlad in Kandersteg oder Realp zu nutzen, selbstverständlich nur tagsüber, oder Sie nehmen den weiten Weg vom Waadtland herkommend in Kauf. Auf jeden Fall müssen Sie genug Zeit einplanen. Reisecars und Wohnmobile im Schneckentempo auf den Passstrassen oder stundenlange Wartezeiten beim Autoverlad sind die Regel.

Es gibt kaum Regionen in der Schweiz wie das Oberwallis und das Berner Oberland, die allein schon aufgrund der Topografie derart stark auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen sind. Im Winter sind diese benachbarten Regionen für Autofahrer allerdings nur tagsüber und nur kostenpflichtig verbunden.

Aber es gibt auch Chancen, und diese gilt es zu nutzen. Eine solche wird sich in Zukunft ergeben: Sobald der Vollausbau des Lötschberg-Basistunnels realisiert sein wird, können auch viel mehr Güterzüge auf dieser Strecke verkehren. Die Frage stellt sich dann, was mit der Bergstrecke geschieht. Die BLS will bereits heute mehrere Haltestellen auf der Bergstrecke schliessen, da diese nur sehr spärlich frequentiert werden. [PAGE 1966]

Mit meiner Motion soll der Bundesrat einen Prüfauftrag erhalten, ob der Lötschberg-Scheiteltunnel zwischen Goppenstein und Kandersteg nach dem Vollausbau des Basistunnels zu einem Autotunnel umgebaut werden kann. Im Rahmen der Realisierung der N6 wurde der Rawiltunnel geplant, um das Berner Oberland mit dem Mittelwallis zu verbinden. Obwohl bereits der Sondierstollen erstellt war, wurde dieses Projekt nie realisiert und vom Bund in den 1980er-Jahren verworfen. Zum Glück! Zu schade wäre es um das schöne Saanenland, wenn man auch dort noch die Alpen durchlöchert hätte. Jedoch wurde die damals in Aussicht gestellte Tarifverbilligung für den Autoverlad Kandersteg-Goppenstein nie vollzogen. Im Gegenteil: Erst vor wenigen Tagen hat die BLS die Preise für den Autoverlad am Lötschberg schon wieder erhöht. Mit Verlaub: Das ist unverschämt.

Warum aber nicht Löcher nutzen, die bereits gebohrt sind? Ein Autotunnel wäre sowohl für das Berner Oberland wie auch für das Oberwallis von enormer volkswirtschaftlicher und touristischer Bedeutung. Ein Autotunnel böte auch die Möglichkeit, die ÖV-Verbindungen zwischen dem Berner Oberland und dem Oberwallis auszubauen. Wie schön wäre es doch, wenn in Zukunft statt ratternder Güterzüge elektrische Postautos von Kandersteg direkt ins Lötschental fahren würden?

Freilich wurde meine Motion unter der Federführung der vormaligen Vorsteherin des UVEK zur Ablehnung beantragt. Bemerkenswert dabei: Dies geschah, nur wenige Tage bevor ihr Nachfolger - ein gebürtiger Kandersteger, der mir sogleich kollegial und loyal, wie er ist, antworten wird - ins Amt gewählt wurde. "Honni soit qui mal y pense."

Aber wie dem auch sei, wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Daher bitte ich Sie, diese Motion zu unterstützen - für das Berner Oberland und für das Oberwallis, denn schön sind sie beide.