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Candan Hasan · Nationalrat · 2025-03-05

Candan Hasan · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-03-05

Wortprotokoll

Es macht uns Angst, wenn wir an unsere Zukunft denken. Es macht uns Angst, wenn wir sehen, wie Klima- und Biodiversitätskrise voranschreiten. Es macht uns Angst, wenn wir sehen, wie unsere Lebensgrundlagen weiter zerstört werden. Und es macht uns Angst, wenn Bundesrat und Parlament tatenlos zuschauen.

Die Botschaft vieler Menschen in diesem Land und insbesondere der jungen Menschen ist unmissverständlich. Wir müssen handeln und Verantwortung tragen, bevor es zu spät ist, damit unsere und die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen erhalten bleiben. Wir müssen alles daransetzen, die Klimakrise, die auch eine soziale Krise ist, abzuwenden. Wir, die Politik, Sie und ich, sind gefordert, die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die Lebensgrundlagen zu sichern und entschieden gegen den Klimawandel vorzugehen.

Die Klimakrise ist Fakt, sie ist real und betrifft uns alle. Die Augen davor zu verschliessen, ist verantwortungslos. Die Existenz der Krisen, die damit verbundenen Ängste oder die Notwendigkeit des Handelns zu verneinen, ist rücksichtslos bzw. mutwilliger Raubbau an unserer Zukunft. Überschwemmungen, Murgänge, das Schmelzen der Gletscher, der Verlust der Arten, Waldbrände, Hitze und Dürre sind bereits heute Realität. Je länger wir warten, desto mehr Leid und Kosten verursachen die Klimakatastrophen.

Die Auswirkungen der Klimakrise sind auch bei uns finanziell spürbar. Die Lebensmittelpreise sind in den letzten drei Jahren um 30 Prozent gestiegen. Ein Teil der höheren Lebensmittelpreise ist auf den Klimawandel zurückzuführen. Das Unwetter vom letzten Sommer im Misox verursachte Schäden von zig Millionen Franken, und das ist nur die materielle Bilanz. Die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner leiden unter viel gravierenderen Verlusten.

Zudem subventionieren wir die Klimakrise. Zwei Drittel unseres Staatshaushaltes, über 40 Milliarden Franken, fliessen in Subventionen und Steuererleichterungen, die der Umwelt, der Biodiversität und dem Klima schaden. Dies kostet die Steuerzahlenden doppelt: zum einen durch den Schaden, der dadurch verursacht wird, zum andern dadurch, dass dieser Schaden wieder repariert werden muss. Die Schäden und Kosten werden immer grösser. Wenn wir jetzt nicht handeln, steigen Klima-, Umwelt-, Biodiversitäts- und Klimagesundheitskosten bis 2050 auf 15 bis 20 Prozent des BIP. Das bedeutet, dass wir bis 2050 die ersten zwei Monate des Jahres nur dafür arbeiten, die Kosten für die Schäden zu bezahlen. Das ist ungerecht. Es müssen diejenigen für die Umweltschäden aufkommen, die sie verursachen oder mit der Zerstörung der Umwelt Profite machen. [PAGE 115]

Ein Bericht der britischen Influencemap zeigt: 80 Prozent der globalen Emissionen gehen auf nur 57 Unternehmen zurück. Dies zeigt, dass in vielen Bereichen Profit und Wachstum über dem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen stehen. Studien zeigen, dass durch Klimawandel und zerstörerische Landnutzung bis zu fünf Milliarden Menschen mit steigender Wasserverschmutzung und unzureichender Bestäubung für ihre Nahrungsmittelproduktion zu kämpfen haben werden. Währenddessen profitieren die Reichsten ungemein. Eine Oxfam-Studie zeigt, dass die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung die Hälfte aller Treibhausgasemissionen verursachen. Ein Milliardär ist dabei so klimaschädlich wie eine Million Menschen. Doch die Rechnungen zahlen wir alle. Das muss sich ändern. Wer die Umwelt zerstört, muss zahlen. Das ist eine Frage nicht nur der ökologischen, sondern auch der sozialen Gerechtigkeit.

Aus Überzeugung empfehle ich Ihnen deshalb die Initiative für eine Zukunft zur Annahme.