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Binder-Keller Marianne · Ständerat · 2025-03-11

Binder-Keller Marianne · Ständerat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-03-11

Wortprotokoll

Ich möchte dem, was mein Vorredner und der geschätzte Kollege Thierry Burkart als Sprecher der Minderheit der Kommission schon gesagt haben, nur einige Ergänzungen anfügen. Man gehe einmal auf die Website unserer Schweizerischen Bundesbahnen. Da lesen Sie, dass sie mehrmals täglich nach Budapest fahren, auch mit dem Nachtzug. Direkt fahren sie auch nach Como, Verona, Milano, Hannover, Hamburg, Düsseldorf, Leipzig, Graz, Prag, Bremen, Wien, Vicenza, Parma, Venedig, Zagreb und Paris. Ich höre hier auf, weil ich ja nicht die Tourismusabteilung der SBB bin und wir hier eine Debatte führen und uns nicht mit Fernweh quälen sollten.

Die SBB werben also mit dem Komfort der Direktverbindung, der Bequemlichkeit des Reisens und vor allem mit der Standortattraktivität der Schweiz. Sie erreichen diese Ziele, indem sie sich europaweit in die Netze einbinden, um möglichst direkte Verbindungen zu erhalten. Dazu kann ich den SBB nur gratulieren. Wir wissen es, diese Art des Reisens hat gegenüber der Fliegerei auch eine umweltfreundliche Komponente. Aber dazu werde ich jetzt keine Vorträge halten, sondern Ihnen einfach gerne mein Anliegen ans Herz legen, nämlich den Erhalt einer zentralen Verkehrsader in diesem Gebiet. Dies ist in unserem Kanton, also im Kanton Aargau, aber auch im Kanton Solothurn und im Mittelland ein grundlegendes Anliegen. Die Unterbrechung dieser Verkehrsader kommt, medizinisch gesprochen, nicht gerade einem Herzstillstand gleich, aber doch einem ziemlichen Kollaps. Man erlebt einen solchen ja auch auf der A1 - Zürich, Limmattal, Mittelland, Bern. Und was ist das Rezept dagegen? Eine Zugverbindung zwischen Zürich und Bern, welche diese Gebiete dazwischen erschliesst und die Menschen, die dort wohnen, einbezieht. In diesem Falle ist es ein Einzugsgebiet von etwa 250[NB]000 Personen, mit Tausenden von Firmen, dazu kommen Weltfirmen, die Fachhochschulen, die Forschungsinstitute; mein Kollege Thierry Burkart hat sie aufgezählt.

Es geht dabei doch einfach um eine adäquate Bewertung der grossen Zentren gegenüber einem ebenso wichtigen mittleren Zentrum. Eine Zurückstufung des letzteren, das heisst die Wegnahme der nationalen Erschliessung und deren Ersetzung mit einer regionalen Erschliessung, widerspricht der angestrebten und ohnehin stattfindenden räumlichen Entwicklung der Schweiz. Diese stellt nämlich, abgesehen von den grossen Zentren, zunehmend auch die mittleren Zentren und dann auch die regionalen Zentren in den Fokus des Interesses. Entsprechend ist die Einbindung von mittleren Zentren wie Baden und Brugg mit grossen Einzugsgebieten gegenüber den grossen Zentren zu stärken und nicht zu schwächen. Weshalb aufgeben, was funktioniert?

Dazu kommt, dass der Ausbauschritt 2035 alles andere als in Stein gemeisselt ist und überarbeitet wird. Das wäre jetzt die Gelegenheit für Anpassungen. Die Fahrplankonzepte müssen doch die Stossrichtungen der räumlichen Entwicklung antizipieren und nicht umgekehrt. Je bevölkerungsreicher und dichter diese Zentren werden, desto grösser wird ihre Bedeutung und desto grösser ist die Bedeutung des kollektiven Massenverkehrs. Es ist folglich allerhöchste Zeit, dass die SBB und das BAV nochmals über die Bücher gehen und die Planung anpassen. Das ist nicht einfach eine Fahrplandiskussion, es ist eine fundamentale Planungsdiskussion. Die Realitäten verändern sich.

Die Auswirkungen des Verzichts auf eine direkte Verbindung zwischen mittleren Zentren und einem Grosszentrum zeigen sich auch auf der Achse Biel-Neuenburg-Yverdon-Genf. Seit dem letzten Fahrplanwechsel ist zwischen Yverdon und Genf ein Umstieg in Renens erforderlich. Dies hat zu Protest geführt, es hat zu Unmut geführt. Auch hier muss man sagen: Dies widerspricht der Stossrichtung der räumlichen Entwicklung der Schweiz, welche ausgewogener sein muss.

Sie haben Schreiben verschiedener Gruppierungen erhalten, welche Sie bitten, die stündliche Direktverbindung Baden-Brugg-Bern nicht zu streichen. Mein Kollege hat einige dieser Gruppierungen erwähnt. Ich möchte aber noch darauf hinweisen, dass es natürlich auch um ältere Menschen, um Menschen mit Beeinträchtigungen, um Familien mit Kindern sowie um Pendlerinnen und Pendler geht. Bei den Pendlerinnen und Pendlern geht es nicht einfach darum, dass sie aus einem Gebiet heraus-, sondern auch darum, dass sie in eine andere Region hineinfahren, um ihrer Erwerbsarbeit nachzugehen.

Ich bitte Sie folglich: Drehen Sie für das Mittelland und für unseren Kanton mit Blick auf den modernen Bahnverkehr nicht die Zeit zurück. Streichen Sie diesem Gebiet nicht eine Verbindung, welche es schon gibt und deren Erhalt mit keinen Kosten und auch nicht mit Komplikationen verbunden ist. In dieser Planungsphase ist alles stemmbar. Step 2035 sollte gemäss Definition ja ein Ausbauschritt sein und kein Abbauschritt.