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Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2025-03-19

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2025-03-19

Wortprotokoll

Wir haben es hier mit einer schwierigen Initiative zu tun, weil sie so gut tönt: Dienst am Vaterland, endlich von Mann und Frau geleistet. Sie verkennt leider die Realität. Die Initiative hat auch eine ziemlich arrogante Seite. Endlich sollen nicht mehr nur die Männer Dienst an der Gesellschaft leisten - das ist so der Tenor. Das wird so gesagt, obwohl die Frauen seit Jahrhunderten Dienst[NB]an[NB]der[NB]Gesellschaft leisten, gratis und franko, praktisch ohne Wertschätzung, wie es auch diese Initiative jetzt wieder zeigt.

Das Argument der Gleichstellung ist eine Frechheit. Frau ist längst nicht gleichgestellt. Wir haben nach wie vor keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit, und wir haben schon gar nicht den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Sogenannte Frauenberufe, beispielsweise in der Pflege oder in der Betreuung, sind klar unterbewertet, und das führt zu einem sehr viel tieferen Lohn als in vergleichbaren Berufen. Am Schluss haben wir dann als Frauen noch einen Drittel tiefere Renten als Männer, obwohl wir den ganz grossen Teil der sogenannten Gratis-Care-Arbeit leisten.

Der Bereich dieser Care-Arbeit umfasst gar weit mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung der bezahlten Arbeit. So leisten wir doch pro Jahr 9,8 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit, über 2 Milliarden Stunden mehr als für die gesamte Wirtschaftsleistung der bezahlten Arbeit, für die 7,6 Milliarden Stunden pro Jahr geleistet werden. Der grösste Teil dabei entfällt auf Betreuung, Erziehung und Haushaltsarbeit. Weniger als 10 Prozent der Männer übernehmen in der Partnerschaft die Hälfte der Care-Arbeit, oder, umgekehrt gesagt, neun von zehn Männern tun dies nicht. Ohne die Gratisarbeit der Frauen würde die Gesellschaft zusammenfallen bzw. wäre diese Arbeit unbezahlbar, wenn die Gratisarbeit wegfallen würde. Männer leisten insgesamt etwa ein Jahr Armeedienst, Frauen lebenslänglich Care-Arbeit. Und jetzt sollen wir noch mehr leisten?

Die Initiative arbeitet mit dem schlechten Gewissen der Frauen. "Wenn Gleichstellung gilt, liebe Frauen", tönt es, "wie soll ich dann erklären, dass Mann Armeedienst leistet, Frau aber nicht?" Das wird gesagt, obwohl wir nicht gleichgestellt sind - ich habe es ausgeführt - und obwohl wir derart viel mehr Gratisarbeit leisten als Männer. Und jetzt sollen wir noch mehr zusätzlich leisten, obwohl, ich habe es vorhin erwähnt, die Gratis-Care-Arbeit, die wir leisten, mehr Stunden umfasst als die gesamte Wirtschaftsleistung an bezahlter Arbeit. Das ist ein extrem hoher Einsatz für die Gesellschaft. Frau tut also viel anderes, als Militärdienst zu leisten; Mann tut das, wie eben ausgeführt, nicht. Diese Arbeit der Frauen soll endlich anerkannt werden.

Ich bitte Sie deshalb, diese Initiative zur Ablehnung zu empfehlen, dafür aber den sehr sinnvollen Gegenvorschlag anzunehmen, insgesamt weniger Erwerbsarbeit leisten zu müssen, um damit - dies gilt auch für die Männer - mehr Zeit für die Care-Arbeit zu haben, das erst noch freiwillig und ohne aufgezwungenen Dienst.

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