Lexipedia

Kälin Irène · Nationalrat · 2025-05-07

Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2025-05-07

Wortprotokoll

Es fühlt sich etwas komisch an und, ich gebe es zu, vielleicht auch etwas falsch, wenn ich hier einen Vorstoss vertreten darf und muss, dessen Urheberin mittlerweile auch wieder da ist. Sie könnte ihre eigenen Forderungen wohl besser vertreten als ich, und sie hätte es auch verdient, die potenziellen Früchte ihrer Arbeit selber zu ernten. Offenbar ist das aber nicht möglich, und ein Rücktritt meinerseits aus dem Rat, nur damit das Postulat wieder an die ursprüngliche Urheberin zurückgehen kann, ist doch etwas zu viel des Guten, und so versuche ich mich hier als Erntehelferin.

Damit komme ich zum Inhalt. Was will das vorliegende Postulat Schneider Meret? Es will den Bundesrat einladen, zu prüfen, wie die Erkenntnisse und Resultate aus den 3R-Symposien, insbesondere aus dem Symposium von 2020 zur Erforschung von Alternativen zur CO2-Betäubung, in die weitere Förderung und Implementierung von humaneren Betäubungsmethoden einfliessen können. Konkret sollen dabei die nächsten Schritte in Bezug auf die Erforschung und Förderung von[NB]Alternativen zur CO2-Betäubung von Tieren sowie in Bezug auf die Strategie, wie die aktuellen Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden könnten, aufgezeigt werden.

Im Tierschutzbericht des Bundes von 2021 ist zu lesen: "Das Vorgehen für eine 'fachgerechte' und damit angst- und schmerzfreie Tötung von Tieren ist gesetzlich geregelt. Die Methoden zur Betäubung und Tötung müssen neben Aspekten des Tierschutzes auch die Arbeitssicherheit und Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Eine der Methoden, die Begasung mit Kohlendioxid, wird weltweit bei sehr vielen Tieren angewendet und ist aus Sicht des Tierschutzes umstritten. Das BLV fördert deshalb die Suche nach schonenden Alternativen. [...] CO2 reizt die Luftwege, wenn es in hohen Konzentrationen eingeatmet wird, und löst bei den betroffenen Tieren sehr rasch Schmerzen, Atemnot und Angst aus. Die Bewusstlosigkeit tritt je nach Tierart erst nach mehreren Sekunden oder sogar erst nach Minuten ein. [...] Der Auftrag lautet somit: Überall, wo Tieren Schmerzen, Leiden und Ängste zugefügt werden, muss der Bund danach streben, diese Belastungen aufzuheben oder wenigstens zu vermindern. Beim Betäuben und Töten von Tieren im Rahmen der Lebensmittelgewinnung und der Forschung mit Tieren sieht sich das BLV besonders in der Pflicht. Deshalb wurde die Optimierung von Methoden zum Töten von Tieren - und somit die Suche nach Alternativen zu CO2 - zu einem Forschungsschwerpunkt im Bereich Tierschutz erklärt."

Diese Stossrichtung des Bundes ist sehr zu begrüssen. Aber auf der Website des Bundes und in den entsprechenden Forschungsberichten finden sich keine zusammenfassenden Resultate oder Forschungsergebnisse und auch keine Strategie, inwiefern beispielsweise Stickstoff, der in den vom Bund genannten Studien als schonende Alternative genannt wird, Eingang in die Praxis finden könnte. Auch wird nicht klar, was in Bezug auf die Förderung von Alternativen und die konkrete Implementierung - diese muss ja das Ziel sein - getan wird.

In seiner Antwort auf das vorliegende Postulat argumentiert der Bundesrat, dass im Jahr 2027 erste Ergebnisse aus Projekten des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 79, "Advancing 3R - Tiere, Forschung und Gesellschaft", publiziert werden. Das NFP 79 habe zum Ziel, die 3R in allen Bereichen zu fördern, und man wolle daher diese Ergebnisse abwarten. Das einzige Projekt im NFP 79, das sich mit der[NB]Tötung[NB]von[NB]Tieren befasst, lautet "Euthanasierung von Versuchstieren verbessern". Die Rücksprache mit den Forschenden hat ergeben, dass aber im Rahmen dieses Projekts keine Alternativen zur Tötung mit CO2 erforscht werden, weswegen es tatsächlich wenig Sinn ergibt, dessen Ergebnisse abzuwarten. Alternativen zur Tötung mit CO2 sind gar nicht Teil des Projekts.

Um also den selbst auferlegten Auftrag wahrzunehmen, wäre es wichtig und angezeigt, eine Strategie und konkrete Schritte festzulegen, wie Erkenntnisse Eingang in die Praxis finden, damit die Förderung von Alternativen auch umgesetzt werden kann und es nicht bei schönen Sätzen in der Tierschutzstrategie bleibt.

Es gilt, den eigenen Auftrag des BLV umzusetzen. Ich bedanke mich für Ihre Unterstützung.