Wismer-Felder Priska · Nationalrat · 2025-06-12
Wismer-Felder Priska · Nationalrat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-06-12
Wortprotokoll
Zuerst möchte ich meine Interessenbindungen bekannt geben: Ich bin Präsidentin der IG Volkskultur (IGV). Die IGV ist der Dachverband der volkskulturellen Verbände, Organisationen und Institutionen mit rund 400[NB]000 Aktiven. Der IGV gehören Personen aus folgenden Vereinsgruppen an: Jodler, Schwinger, Ländlerkapellen, Chöre, Blasmusik, Alphorn, Volkstanzgruppen, Volkstheater, Fasnacht, traditionelles Handwerk, Spitzenmacherinnen, Trachtenleute, Hornusser und viele mehr.
Sie fragen jetzt vielleicht: Was hat das mit der Halbierungs-Initiative zu tun? Ich kann Ihnen sagen: sehr viel. Unsere Volkskultur lebt. Sie lebt in manchen Fällen eher etwas versteckt, im Verborgenen, aber zum Teil auch in der Öffentlichkeit. Da kann man sie beachten. Zum Teil ist sie im Rampenlicht sehr präsent. Eine Form der Volkskultur, welche heute viel beachtet ist, ist zum Beispiel der Schwingsport. Er ist entsprechend in den Medien präsent und hat dadurch sehr grossen Zulauf im Nachwuchsbereich. An dem Punkt, an dem der Schwingsport heute steht, würde er nicht stehen, wenn er nicht diese Präsenz hätte, und diese Präsenz wurde durch das SRF aufgebaut.
Ein weiteres Beispiel ist das Hornussen. Letztes Jahr hat das SRF über das Eidgenössische Hornusserfest einen langen Bericht gemacht. Als Folge davon haben sich viele im Nachwuchsbereich angemeldet. Diese Präsenz, die hätte es sonst nicht.
Die Volkskultur ist aber noch viel breiter, und es lohnt sich für private Sender nicht, über jede Sportart und jeden Nischenbereich zu berichten. Aber genau dort hat das SRF einen Auftrag, den es auch wahrnimmt. So werden Nischenbereiche bekannt, und es wird über Dinge berichtet, für die kein Privatfernsehen die Möglichkeit oder auch das Wissen und die Ressourcen hat, um sie breiter bekannt zu machen.
Bei einer Annahme der Initiative würde der SRG jedoch das Geld fehlen, um eigene Produktionen zu machen und über solche volkskulturellen Eigenheiten und Minderheiten zu berichten. Das Geld reicht dann vielleicht noch, um ausländische Serien einzukaufen oder die amerikanische Kultur näherzubringen. Eingekauft! Wollen Sie das?
Das alles setzen Sie aufs Spiel, wenn Sie die Halbierungs-Initiative zur Annahme empfehlen. Für die paar Franken, die wir bei der Radio- und Fernsehgebühr sparen, setzen wir doch nicht unser gesellschaftliches Modell aufs Spiel und nehmen Entwicklungen in Kauf, bei denen das Ichbezogene noch weiter betont wird. Auf dem Verordnungsweg hat der Bundesrat die Abgabe ja bereits gekürzt. Wir werden in den laufenden Jahren bei 300 Franken sein. Wenn ich jetzt diese Senkung auf 200 Franken umrechne, dann bleiben pro Haushalt und Tag 37 Rappen, die Sie sparen können. 37 Rappen! Sagen Sie mir: Was kaufen Sie mit 37 Rappen für einen Haushalt pro Tag? Vielleicht einen Kaugummi, für viel mehr reicht es nicht. Aber mit diesem Betrag können Sie weiterhin sicherstellen, dass es eine breite Berichterstattung gibt. Da gefällt uns nicht alles, das wurde heute schon erwähnt. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass in einer gewissen Breite informiert werden kann, die nur durch ein Fernsehen mit diesen finanziellen Ressourcen gewährleistet werden kann.
Ich bitte Sie daher, empfehlen Sie diese schädliche Initiative zur Ablehnung. Setzen Sie den Zusammenhalt, den ein öffentlich-rechtlich finanziertes Medienhaus gewährleisten kann, nicht leichtfertig aufs Spiel.