Silberschmidt Andri · Nationalrat · 2025-09-09
Silberschmidt Andri · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2025-09-09
Wortprotokoll
Wir sprechen heute Morgen über PFAS, und ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich wusste nicht, was PFAS bedeutet, also habe ich es nachgeschaut. PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. So kompliziert die Aussprache dieses Wortes ist, so schwierig ist auch, wie wir damit umgehen. Denn PFAS sind Ewigkeitschemikalien. Es ist eine Gruppe mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von Verbindungen. PFAS sind eine Herausforderung, die wir nicht unterschätzen dürfen. Diese Chemikalien sind langlebig. Sie bauen sich in der Umwelt kaum ab und können sich im Menschen wie auch im Tier anreichern. Damit geht ein potenzielles Risiko einher, das wir sehr ernst nehmen müssen.
Gleichzeitig ist es auch wichtig, die Fakten klar zu benennen. PFAS sind, wie ich es gesagt habe, keine einzelne Substanz, sondern eine Stofffamilie von mehreren tausend Verbindungen. Diese unterscheiden sich stark in ihren Eigenschaften, Risiken und Einsatzbereichen. Es wäre daher falsch, alle PFAS über denselben Kamm zu scheren. Manche dieser Stoffe sind problematisch und müssen gezielt reguliert oder verboten werden. Andere sind heute in zentralen Anwendungen unverzichtbar, beispielsweise in der Medizintechnik, in der Energieversorgung oder im Bauwesen. Unser Wissen ist hier noch nicht vollständig. Wir wissen noch zu wenig über die Verbreitung, die Exposition und auch über mögliche Alternativen. Es braucht deshalb ein differenziertes Vorgehen, das Gefahren ernst nimmt, aber wissenschaftsbasiert bleibt.
Wir als Politiker tragen hier eine doppelte Verantwortung. Zum einen ist es unsere Verantwortung, Mensch und Natur dort zu schützen, wo Risiken bestehen. Niemand will PFAS im Trinkwasser, in den Böden oder im eigenen Körper. Zum andern müssen wir aber auch die Bedingungen dafür schaffen, dass Forschung und Wirtschaft bessere Alternativen entwickeln können. Wer nur mit dem Instrument des Verbots arbeitet, ohne Alternativen bereit zu haben, riskiert, dass wir in eine Sackgasse laufen. Neue Stoffe können sich am Ende als noch problematischer erweisen. Der richtige Weg ist, Risiken zu minimieren und gleichzeitig Innovationen zu ermöglichen. Fortschritt und Vorsorge dürfen keine Gegensätze sein.
Genau deshalb habe ich meine Motion 25.3835, "Förderung sicherer und nachhaltiger Chemikalien", eingereicht. Streng [PAGE 1344] genommen müsste der Titel lauten: "Förderung sichererer und nachhaltigerer Chemikalien", denn absolute Sicherheit gibt es in diesem Bereich nicht. Es braucht ein laufendes Annähern an das Optimum zwischen Schutz und Nutzen. Meine Motion verlangt, dass der Bundesrat eine Strategie erarbeitet, die den entstehenden PFAS-Aktionsplan und die bestehende Strategie Chemikaliensicherheit ergänzt. Ich betone: Es geht nicht um eine industriepolitische Sonderbehandlung, sondern darum, einen strategischen Rahmen zu schaffen, wie wir ihn in vielen anderen Bereichen längst haben. Ein solcher Rahmen stärkt die Wissenschaft, Bildung und Forschung, aber auch die Wirtschaft, die schon heute einen Grossteil des Forschungsaufwandes tragen. Er legt die Grundlage dafür, dass Innovationen entstehen können, die sicherere und nachhaltigere Chemikalien hervorbringen. So verbinden wir Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Meine Motion verlangt also nicht neue Mittel des Bundes, sondern dass bestehende Mittel so eingesetzt werden, dass möglichst viele Innovationen und Substitutionen im PFAS-Bereich innerhalb der Schweiz entstehen.
Die Herausforderung mit PFAS ist eine globale Herausforderung. Umso wichtiger ist es, dass wir aus der Schweiz heraus Alternativen entwickeln, die wir global verkaufen können. Diese Alternativen können wir nur mit der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft entwickeln. Letztendlich geht es auch darum, dass wir die externen Kosten, die durch[NB]den[NB]Einsatz[NB]von PFAS entstehen, möglichst auf die Verursacher abwälzen oder letzten Endes eben auch minimieren können.
Es gibt Vorstösse, die praktisch ein Verbot von PFAS fordern. Wir haben es gehört: Selbst die EU hat sich von diesem Weg verabschiedet. Wir unterstützen einen differenzierten Vorgang: regulieren ja, aber mit Augenmass und vor allem so, dass es Planungssicherheit für alle Akteure in der Schweiz gibt.
Besten Dank, wenn Sie meine Motion unterstützen.