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Jauslin Matthias Samuel · Nationalrat · 2025-09-25

Jauslin Matthias Samuel · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2025-09-25

Wortprotokoll

60 Zentimeter: Etwa so viel Distanz braucht der Mensch zu seinem Mitmenschen, damit er sich von diesem nicht bedrängt fühlt. Kommt die fremde Nasenspitze näher, dann entsteht Stress, oder, um es mit dem Modewort zu sagen: Es entsteht Dichtestress. Stau auf den Strassen, Platznot im Zug, Enge beim Einkaufen, fehlendes Grün - seit die Schweiz 2012 den achtmillionsten Einwohner zählte, scheint die ganze Nation Dichtestresshormone auszuschütten.

Diese kollektive Stressdiagnose wird noch mit Hiobsbotschaften aus den Medien wie zum Beispiel jene, dass sich im Mittelland 440 Menschen auf einem Quadratkilometer drängten oder dass in Europa nur die Holländer noch dichter aufeinander lebten, untermauert.

Hinter der Empfindung der Enge steckt eine diffuse Angst vor Wachstum, vor Überfremdung, vor einer unsicheren Zukunft und vor dem Verlust der als unschuldig empfundenen Heimat. Diese Sorge ist nicht völlig unbegründet. Die Kriminalität ist zuletzt gestiegen, insbesondere bei den sogenannt übrigen Ausländerinnen und Ausländern, darunter Personen, die das Asylsystem gezielt missbrauchen, und wegen der unsäglichen Kriminaltouristen. Die Zunahme betrifft vor allem Personen ohne geregelten Aufenthalt. Medienberichte und eigene Erfahrungen verstärken das subjektive Unsicherheitsgefühl.

Die Grünliberale Fraktion fordert hier klare Verschärfungen gegenüber Straftätern. Wir erwarten koordinierte Massnahmen zwischen Polizei, Migrations- und Strafvollzugbehörden. Wer sich nicht an unsere Regeln halten will, ist bei uns nicht willkommen. Gleichzeitig sei aber betont, dass über 95 Prozent der Asylsuchenden straffrei bleiben.

Die Bevölkerung wächst, von 6 Millionen im Jahr 1970 auf heute 9 Millionen Personen, bis 2050 werden es mindestens 10 Millionen sein. Die SVP will nun diese Obergrenze auf 10 Millionen fixieren. Notfalls soll auch die Personenfreizügigkeit mit der EU gekündigt werden. Fast 90 Prozent der Zuwanderer kommen aus der EU und sind Fachkräfte für die Schweizer Wirtschaft, geholt von der Schweizer Wirtschaft. Nun schiebt die SVP das Argument der Nachhaltigkeit vor, meint aber im Kern ihr Feindbild, die Asylmigration. Sie blendet aus, dass die Schweiz auch Arbeitskräfte aus dem Ausland braucht. Engpässe bei Wohnraum, Infrastruktur und [PAGE 1843] Schulen sind keine Folge von Migration, sondern die Folge des Wachstums und des Wohlstandes.

Selbstverständlich soll die Schweiz die wesentlichen Elemente ihres Erfolgsmodells bewahren: Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung, ein gutes Bildungssystem, stabile Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, Weltoffenheit, Integration von Einwanderern, direkte Demokratie, soziale Verantwortung und gelebter Gemeinsinn. Diese Faktoren prägen unser Land.

Daher ist die zentrale Frage nicht, wie wir die Zuwanderung begrenzen, sondern die Frage lautet, wie wir Wachstum und Integration nachhaltig gestalten. Es gilt, mit geschickter Raumplanung und guten Mobilitätskonzepten Arbeitsraum und Lebensraum zu vernetzen. Die Schweiz muss die Zukunft clever gestalten, statt Menschen pauschal als Problem darzustellen.

Wir wollen keine starre 10-Millionen-Grenze, sondern eine starke und aufgeschlossene Schweiz. Empfehlen Sie diese unehrliche Initiative zur Ablehnung.