Lexipedia

Friedli Esther · Ständerat · 2025-09-25

Friedli Esther · Ständerat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-25

Wortprotokoll

"On ne peut plus continuer comme ça. Cet été, le loup a fait un massacre. Il est devenu le roi du canton."

Dieses Zitat vom 13.[NB]September dieses Jahres stammt vom Präsidenten der Waadtländer Viehzüchtergenossenschaft von Saint-George. Im Jurabogen hat die Ausbreitung des Wolfs in diesem Sommer eine ganz neue Dimension angenommen. Es wurden nicht nur Schafe gerissen, nein, die Wolfsrudel spezialisierten sich auf Rinder. Bis Ende August rissen Wölfe im Kanton Waadt 44 Rinder. Die gerissenen Tiere mussten oft stundenlang leiden, weil der Wolf sie nicht ganz getötet, sondern vor allem schwer verletzt hatte. Ich habe einige Videos erhalten, die kaum zu ertragen waren.

Damit ist das eingetreten, worauf viele von uns bereits vor einigen Jahren hingewiesen haben. Wenn wir die Ausbreitung des Wolfs in unserem Land nicht einschränken, werden in den nächsten Jahren noch mehr und vor allem noch grössere Tiere gerissen. Das Tierleid nimmt zu, Alpen werden nicht mehr bestossen, Alpen werden verganden, das Ökosystem der Alpwirtschaft gerät aus den Fugen.

Bereits in diesem Sommer wurden in allen Alpenregionen viele Tiere vorzeitig von den Alpen getrieben, dies, weil Wölfe ab Mitte August ihr Unwesen getrieben haben. Denn nach einem Rückgang der Risse in den Jahren 2023 und 2024 wurden im Alpsommer 2025 wieder mehr Nutztiere gerissen, und dies, obwohl die Herdenschutzmassnahmen immer besser und intensiver werden. Doch die Wölfe sind intelligent und passen sich den neuen Gegebenheiten an.

Wir befinden uns hier schon fast in einer Spirale. Es braucht zum Schutz der Nutztiere immer mehr Herdenschutzmassnahmen, und die Wölfe umgehen diese immer wieder. So kann es nicht weitergehen. Wir können die Herdenschutzmassnahmen nicht immer mehr verschärfen und nach oben treiben. Dies ist sehr teuer, mit viel Aufwand verbunden, und es ist auch nicht zum Wohle der betroffenen Nutztiere.

Ich stelle aufgrund von vielen Reaktionen von Alpbewirtschaftern, gerade auch aus meinem Kanton, fest, dass sie gar nicht mehr immer alle Anforderungen an den Herdenschutz bewerkstelligen können: ständig höhere Zäune, mehr Nachtpferche, mehr Herdenschutzhunde. Man muss sich bei all diesen Herdenschutzmassnahmen, vor allem bei den Nachtpferchen, auch die Frage stellen, ob das auch dem Tierwohl, also dem Wohl der betroffenen Schafe, entspricht. Eigentlich überhaupt nicht: in der Nacht zusammengepfercht, am Abend und am Morgen weite Wege, ständig in Unruhe - diese Tiere sind ständig gestresst. Wir müssen daher bei den Ursachen ansetzen und nicht ständig die Herdenschutzmassnahmen anpassen, sprich, wir müssen die schadenstiftenden Wölfe besser regulieren können.

Wir haben ja vor wenigen Jahren das Jagdgesetz revidiert, und mit der neuen Jagdverordnung hat man Schritte in die richtige Richtung gemacht. Die Kantone können zur reaktiven und proaktiven Regulierung einfacher eine Abschussbewilligung beantragen. Aber es braucht noch mehr, denn der Wolfsbestand in unserem Land ist trotz Regulierung immer noch am Wachsen; er ist wohl etwas abgeflacht, aber er wächst noch. Ende August zählten wir in unserem Land, teilweise über die Landesgrenzen hinweg, etwa vierzig Wolfsrudel.

Mein Vorstoss zielt auf das Thema der Regulierung und auf die Frage ab, ob Wölfe mit einer ordentlichen Abschussbewilligung - sprich, es handelt sich um schadenstiftende Wölfe - überall geschossen werden können oder nicht. Denn aktuell dürfen sie in sogenannten Jagdbanngebieten nicht[NB]geschossen werden. Damit stelle ich fest, dass es eine Lücke gibt, die aus meiner Sicht geschlossen werden sollte. Denn im Alpenraum gibt es zahlreiche Jagdbanngebiete. Es sind 43 eidgenössische Jagdbanngebiete mit einer Gesamtfläche von 150[NB]000 Hektaren. Diese Jagdbanngebiete befinden sich nicht im Mittelland, sondern eben in den Alpen, dort, wo auch die Wölfe aktiv sind. Immer wieder gibt es schadenstiftende Wölfe, die nicht geschossen werden können, weil sie sich in einem Jagdbanngebiet aufhalten.

Wie ich bereits ausgeführt habe, sind die Wölfe intelligente Wesen und können sich dort faktisch verstecken. Aktuell ist dies zum Beispiel gerade im Kanton Obwalden der Fall, konkret im Jagdbanngebiet Huetstock, wo über zwanzig Schafe [PAGE 1059] gerissen wurden. Es gibt aber auch in vielen anderen Kantonen solche Fälle mit grösseren Jagdbanngebieten, wo sich schadenstiftende Rudel aufhalten, namentlich im Kanton Glarus. Hierzu wird ein Vertreter des Kantons Glarus Stellung nehmen.

Ich möchte daher diese Lücke schliessen, sodass die schadenstiftenden Wölfe überall in unserem Land geschossen werden können. Ich meine, dass dies auch vor dem Hintergrund, dass der Wolf gemäss der Berner Konvention nicht[NB]mehr als "streng geschützt", sondern nur noch als "geschützt" gilt, zu vertreten ist; denn dies bedeutet, dass wir den Schutzstatus auch in unserem Land leicht lockern können.

Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, meiner Motion zuzustimmen.

Friedli Esther · Ständerat · 2025-09-25 | Lexipedia | Lexipedia