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Riem Katja · Nationalrat · 2025-12-10

Riem Katja · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-10

Wortprotokoll

Unsere Landwirtschaft ist kein theoretisches Konzept, das man am Schreibtisch neu zeichnet. Sie ist gelebte Realität. Sie ist mit Dreck unter den Fingernägeln verbunden, frühem Aufstehen, Verantwortung für Tiere; sie betrifft Böden, Ressourcen, das Wetter, das wir nicht beeinflussen können, und Menschen, die sich auf gesunde und qualitativ hochstehende Lebensmittel verlassen. Wer hier arbeitet, hat angemessenen Respekt und Vertrauen verdient und nicht solche gar lächerlichen Vorschläge im Sekundentakt, welche ständig Debatten auslösen, die einen ganzen Berufsstand fundamental hinterfragen und auf den Kopf stellen wollen.

Nicht nur Initiativkomitees, immer mehr auch die Verwaltung und manchmal sogar die Forschung ticken nach der Öko-Agenda, ohne links und rechts zu schauen. Die Argumentarien drehen sich immer wieder im Kreis und werden mit jeder Initiative wieder aufgewärmt, obwohl sie längst widerlegt und mit besseren Vorschlägen und umgesetzten Massnahmen gekontert wurden. Dabei geht auch vergessen, dass das Schweizervolk ganz genau weiss, was es will und wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen soll. In mehreren Abstimmungen mit Resultaten von über 60 Prozent Ablehnung - dies zu allen Bereichen: Tierhaltung, pflanzliche Produktion, Pflanzenschutzmittel und sogar Biodiversitätsförderung - wurde der gewünschte Fahrplan sehr eindeutig in Urnengängen bestimmt. Es wird Zeit, dass wir dies berücksichtigen und aufhören, solchen unnötigen Ideen und Technologieverboten eine Bühne zu geben.

Auch deshalb irritiert uns die Vorstellung einer politisch verordneten Ernährungsordnung. Es geht hier um einen Verfassungsartikel, der wahrscheinlich in einem klimatisierten Büro und ohne Kenntnisse der Märkte geschrieben wurde und davon ausgeht, dass Höfe, Tiere, Landschaft und Tradition, aber auch Innovation bloss Variablen in einer Gleichung seien. Stellen Sie sich einmal den Sonntagsbrunch ohne tierische Produkte vor - den Butterzopf, das Spiegelei, den leckeren Käse und auch das Birchermüesli oder die Waffeln, Pancakes oder den Speck suchen Sie dort vergeblich. Das macht nun mal wirklich keine Freude. Wir haben keine Lust, uns vom Staat vorschreiben zu lassen, was auf unsere Teller kommen soll. Das lassen wir uns in einem liberalen Land wie der Schweiz, auf die wir stolz sind, einfach nicht bieten!

Wir leben in einem Land, in dem grosse Teile der Fläche nur dank Nutztierhaltung produktiv genutzt werden können. Gemeint sind Weiden, Alpen, steile Lagen, Orte, an denen kein Getreide gedeiht, aber wo seit Jahrhunderten ein fein austariertes System funktioniert. Nicht nur in den höheren Lagen ist das gang und gäbe, auch Betriebe im Mittelland, welche einen Kreislauf zwischen Produktion und Nährstoffen herstellen und diesen seit Jahren pflegen, tragen zu dieser Ressourcenbalance bei. Für die Schweizer Landwirtschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, dazu Sorge zu tragen. [PAGE 2228]

Dieses System mit pauschalen Einschränkungen zu übersteuern, heisst, die Realität und die agronomische Wissenschaft zu verkennen. Es heisst, unsere Kulturlandschaft zu riskieren, die nicht bloss schön anzusehen ist, sondern ein ökologisches Gleichgewicht trägt und Leben ermöglicht.

Lassen Sie mich noch eins sagen: Versorgungssicherheit ist kein romantisches Konzept. Sie ist hart erarbeitete Stabilität. Sie beruht auf Vielfalt, auf Robustheit, auf Produktionsformen, die auch dann funktionieren, wenn Lieferketten versagen oder Grenzen plötzlich wieder Bedeutung bekommen. Wer diese Vielfalt verengt, riskiert Abhängigkeit. Dabei ist Abhängigkeit wirklich kein Konzept, auf dem man Sicherheit baut.

Wir brauchen echte Lösungen, solche, die Eigenverantwortung stärken, statt Leute zu bevormunden; solche, die Konsumenten und Produzenten stärker miteinander verbinden, statt sie gegenseitig auszuspielen. Innovation und Unternehmertum brauchen Platz und Raum, um sich zu entwickeln. Demgegenüber verhindern enge Regulationskorsette eine nachhaltige Entwicklung.

Wir stehen in der Verantwortung, differenziert zu denken, nicht dogmatisch. Und wir stehen in der Verantwortung, ein Ernährungssystem weiterzuentwickeln, das seit Generationen besteht und den Wohlstand sichert. Die Schweizer Landwirtschaft nimmt diese Verantwortung wahr, und die SVP unterstützt sie vehement dabei.

Wir freuen uns, wenn Sie diese Verantwortung mittragen und entsprechend die Initiative und den Gegenvorschlag in Einheit und mit Karacho ablehnen.