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Wiederkehr Roland · Nationalrat · 2003-09-24

Wiederkehr Roland · Nationalrat · Zürich · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2003-09-24

Wortprotokoll

Thomas Zeltner, Chef des Bundesamtes für Gesundheit, hat soeben einen Espresso getrunken; muss er sich aufputschen? Wenn wir Jugendliche kennen, die kiffen, stellen wir fest, dass das Kiffen tatsächlich das Umgekehrte von Aufputschen bewirkt. Es hilft, dass man überhaupt nicht mehr aufnahmefähig ist, dass man es lustig hat - immer nur Gekicher -, dass man in einem gewissen Sinne teilnahmslos wird, und vielleicht wird man mit der Zeit auch blöd. Aber man wird nicht aggressiv.

Ich habe Herrn Dunant vorher zugehört, der hier vorne vor den Kiffern gewarnt hat, weil die ganze Familie leide und so weiter und so fort. Da muss ich sagen: Bei den Alkoholikern leiden die Familienangehörigen wesentlich mehr, denn der Alkohol macht sie aggressiv, er macht mutig, er macht übermütig, das wissen wir aus dem Strassenverkehr. Genau da verstehe ich Herrn Dunant und die ganze SVP nicht, die sich erst kürzlich in der Diskussion um die 0,8-Promillegrenze auf die Seite der Angetrunkenen geschlagen hat. Dort geht es wirklich darum, dass Menschenleben - und zwar Leben anderer Menschen - gefährdet sind. Beim Kiffen geht es in erster Linie darum, dass derjenige, der kifft, sich selber gefährdet, und das ist doch wohl ein Unterschied!

Ich habe nicht die gleiche Meinung wie meine Kollegen in der Fraktion. Ich bin dafür, dass wir das Geschäft hier im Rat behandeln. Der wichtigste Grund dafür ist Folgender: Überall wollen wir sparen, wir sparen auch bei der Polizei, wir sparen sogar am Justizapparat. Wollen wir denn ausgerechnet diesen Justizapparat und diese Polizei mit all den Verfahren gegen Hascher blockieren, wo wir doch gesehen haben, dass die Repression schliesslich auch nicht die Lösung ist? Ich kann dazu nicht Ja sagen! Und noch einmal, meine Damen und Herren - meistens nur die Herren - von der SVP-Fraktion: Mich stört Ihre Doppelbödigkeit ganz gewaltig!