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Burgherr Thomas · Nationalrat · 2025-12-17

Burgherr Thomas · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-17

Wortprotokoll

Seien wir ehrlich: Zu dieser Initiative sind die Meinungen gemacht. Der Bundesrat ist dagegen. Auch die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates beantragt mit 23 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen.

Die Initiative kann nur mit tiefen Eingriffen in die Produktion und den Konsum von Lebensmitteln umgesetzt werden. Die Wahlfreiheit würde mit der Initiative drastisch eingeschränkt. Eine Umsetzung der Initiative hätte zur Folge, dass der Staat tief in die landwirtschaftliche Produktion eingreifen müsste, was je nach Ausgestaltung der Massnahmen hohe Kosten für den Bundeshaushalt verursachen könnte. Der Staat sollte gemäss den Ideen der Initianten die Produktion und den Konsum von tierischen Produkten lenken. Die Initianten wollen der Bevölkerung quasi den Menüplan vorschreiben. Das geht gar nicht. Franziska Herren möchte mit ihrer Initiative die Menschen in der Schweiz zu Vegetarierinnen und Vegetariern erziehen.

Es ist zu berücksichtigen, dass wir in einem Land leben, in dem grosse Teile der Flächen nur dank tierischer Nutzung produktiv genutzt werden können. Die Schweiz ist, topografisch bedingt, ein Grasland. In den Bergen, in den voralpinen Hügelgebieten, im Jura und auch an vielen Orten des Mittellandes sind die Flächen so steil, dass nur eine Grünlandnutzung möglich ist. Ohne Nutztiere fallen diese Flächen für die Lebensmittelproduktion ganz weg. Hofdünger sind auch wichtig für fruchtbare Böden und die Versorgung der pflanzlichen Kulturen. Die Tierbestände müssten bei einem Ja zur Initiative um fast die Hälfte verkleinert werden, um 50 Prozent. Betroffen wären vor allem Schweine und Geflügel. Ein solches Eingreifen in die Wirtschaft ist nicht Aufgabe unseres Staates. Höhere Lebensmittelpreise und eine Zunahme des Einkaufstourismus, der bei der Berechnung des Nettoselbstversorgungsgrades vollständig unberücksichtigt bleibt, wären die Folgen.

Die Initiative stellt die Grünlandbewirtschaftung klar infrage. Heute werden 70 Prozent unserer gesamten Fläche landwirtschaftlich bewirtschaftet. Den von den Initianten geforderten Selbstversorgungsgrad erreichte die Schweiz auch zur Zeit der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg nicht vollständig. Ich denke nicht, dass die Bevölkerung zu den damaligen Opfern wie dem Bepflanzen von Parkplätzen, Sportplätzen usw. bereit ist. Heute gibt es viel weniger Kulturland als während des Zweiten Weltkriegs. Damals hatten wir in der Schweiz eine Bevölkerung von vier Millionen Personen. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden rund 250[NB]000 Hektar Kulturland verbaut. Wir haben heute in der Schweiz noch rund 1 Million Hektar Kulturland für unsere Ernährung zur Verfügung. Dieses Kulturland muss genutzt werden.

Damit die Ziele der Initiative erreicht werden könnten, müsste der Konsum von Milchprodukten, Fleisch und Eiern stark eingeschränkt werden. Viele Konsumenten würden sich das Vorschreiben eines solchen Verhaltens in unserem Land nicht bieten lassen. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist die persönliche Freiheit sehr wichtig.

Mit der radikalen Umstellung auf pflanzliche Lebensmittel hätten sehr viele Investitionen im Bereich der Tierhaltung, auf den Verarbeitungsbetrieben und auch im Handel nicht mehr den gleichen Wert wie bisher. Eine ordentliche Amortisation der getätigten Investitionen wäre dadurch nicht mehr möglich.

Der Initiativtext sieht unsinnige Auflagen für den einheimischen Anbau vor, so zum Beispiel die Verwendung von samenfestem Saatgut. Züchtungs- und damit ertragsmässig würde uns das um hundert Jahre zurückwerfen. Die Erträge pro Flächeneinheit von pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Getreide, Raps, Kartoffeln und vielem mehr würden sinken. Die Initiative würde zu Arbeitsplatzverlusten führen. Weniger Tiere, weniger Ertrag im Pflanzenbau, mehr Konkurrenz durch Einkaufstourismus - das alles reduziert die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft.

Ich bitte Sie, die Initiative klar zur Ablehnung zu empfehlen.