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Stämpfli Fabienne · Nationalrat · 2025-12-17

Stämpfli Fabienne · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2025-12-17

Wortprotokoll

Die Ernährungs-Initiative adressiert äusserst wichtige und unbestrittene Probleme: die übermässigen Nährstoffeinträge, die Belastung unseres Grundwassers und den fortschreitenden Verlust der Biodiversität. Der Handlungsbedarf ist gross, wenn wir auch zukünftig sauberes Trinkwasser und gesunde Lebensmittel haben wollen. Die Überdüngung und die Stickstoffeinträge in die Umwelt, insbesondere im intensiv bewirtschafteten Mittelland, sind seit Jahrzehnten deutlich zu hoch. Mit unserer heutigen Agrarpolitik zerstören wir die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit und damit unsere Lebensgrundlagen und die Wirtschaftsgrundlagen der Landwirtinnen.

Als Wasserbauingenieurin teile ich insbesondere auch das Anliegen der Initiative, dass die Schweiz endlich eine nationale Wasserstrategie erhält. Heute wissen wir nicht, wie viel Wasser Haushalte, Industrie und Landwirtschaft verbrauchen, wie rasch sich unsere Trinkwasserreserven erneuern und wie bei künftig durch den Klimawandel verschärfter Wasserknappheit der Wasserbezug priorisiert werden soll. Auch die Belastung des Grundwassers mit Nitrat und Pestiziden stellt eine zunehmende Gefahr für unsere Trinkwasserversorgung dar. Hier wird die geplante Revision des Gewässerschutzgesetzes hoffentlich Verbesserungen bringen. Seit 1998 müssten die Zuströmbereiche zu Trinkwasserfassungen ausgeschieden werden, aber erst rund 5 Prozent der Zuströmbereiche, 70 von 1500, sind bisher definiert. Dass der Bundesrat diesen Vollzug nun vorantreibt, ist richtig und[NB]überfällig.[NB]Ebenso zentral sind verbindliche Grenzwerte für Pestizide im Grundwasser und in den Oberflächengewässern.

Die Initiative adressiert auch die grossen Lebensmittelverluste. Mit dem Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung besteht hier ein wichtiger Hebel, um Umweltbelastungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren.

Trotz dieser berechtigten Anliegen schiesst die Initiative, obschon gut gemeint, übers Ziel hinaus. Die vorgesehene Zehnjahresfrist für eine derart umfassende Transformation ist zu ambitioniert und wäre mit hohen finanziellen Mehraufwänden verbunden. Eine Festschreibung des Selbstversorgungsgrads in der Verfassung ist ebenfalls nicht zielführend. Unbestritten ist hingegen, dass auch die Bereiche Landwirtschaft und Ernährung ihren Beitrag zur Erreichung der Umweltziele leisten müssen, wie alle anderen Bereiche auch. Die Umweltziele für die Landwirtschaft sind seit 2008 definiert. Doch bisher wurde noch keines der 13 Ziele erreicht. Gemäss Bundesrat ist der Handlungsbedarf insbesondere bei der Biodiversität, bei den klimarelevanten Treibhausgasen, beim Stickstoff und bei der Bodenfruchtbarkeit weiterhin sehr hoch.

Genau hier setzt der Gegenvorschlag an. Er fordert die Realisierung dieser breit abgestützten Umweltziele ein, die dann in der Agrarpolitik 2030 plus umzusetzen sind.

Ich bitte Sie deshalb, den Gegenvorschlag zu unterstützen.