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Schmezer Ueli · Nationalrat · 2025-12-17

Schmezer Ueli · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-12-17

Wortprotokoll

Ich habe jetzt einige Voten in dieser Debatte gehört, und mir fällt einfach ein Satz auf, und diesen finde ich wirklich problematisch, nämlich der Satz: Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was bei mir auf den Teller kommt. Im ersten Moment denkt man vielleicht, ja, jede Person kann selbstverständlich selber entscheiden, was bei ihr auf den Teller kommt. Aber eigentlich steckt hinter diesem Satz eine, so möchte ich sagen, krasse Haltung: der absolute Anspruch, essen zu dürfen, was immer ich will, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf die Folgen - Hauptsache, mein Teller ist so gefüllt, wie ich das gern habe. Gemeint ist natürlich: Hauptsache, mein Teller ist mit so viel Fleisch gefüllt, wie ich mir das gerne vorstelle. Ist das unser Ernst? Ganz hart gesagt: Was bilden wir uns eigentlich ein, wenn wir so reden? Sind wir die alleine entscheidende Grösse auf dieser Welt? Das kann doch nicht unser Ernst sein. Wenn wir die eigenen Bedürfnisse, falls es denn tatsächlich echte eigene Bedürfnisse sind, absolut setzen, dann sind wir als Gesellschaft verloren.

Es ist doch klar: Unsere Nahrungsmittelproduktion hat schädliche Auswirkungen. Das ist nicht Ideologie, das ist [PAGE 2415] eine nüchterne Feststellung, und es ist auch nicht etwas, was man schönreden kann. Wir haben es gehört: Wir haben Probleme mit Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Überdüngung, mit der Qualität des Grundwassers, und wir können nicht so tun, als wäre das nicht so. Das ist mir jetzt ganz wichtig, und ich sage es vor allem in Richtung Landwirtschaft: Wenn man darauf hinweist, heisst das nicht, dass man etwas gegen die Menschen hat, die dort arbeiten, die in der Landwirtschaft tätig sind. Ich bin als Journalist vielen Bäuerinnen und Bauern und vielen Landwirten und Landwirtinnen begegnet. Ich sage es ausdrücklich, und ich meine es genau so: Ich respektiere ihre wichtige Arbeit für unsere Gesellschaft, genauso wie ich andere wichtige Arbeiten für diese Gesellschaft ebenfalls respektiere. Aber, und das finde ich ganz wichtig, wir müssen diese Themen einigermassen entspannt ansprechen können. In Klammern bemerkt: Ich habe den Eindruck, dass ganz viele Bäuerinnen und Bauern da draussen von[NB]ihrer[NB]Grundhaltung her wesentlich fortschrittlicher sind als gewisse ihrer Vertreter und Vertreterinnen hier im Parlament.

Also, es geht um problematische Folgen der Produktion. Das hat natürlich mit der Anzahl Tiere und mit der Fütterung zu tun, da müssten wir doch etwas unternehmen. Aber das heisst nicht, und da sind wir miteinander einverstanden, keine Kühe und Rinder mehr, denn die Schweiz ist ein Grasland. Es heisst aber, standortgerecht zu produzieren. Es heisst, mit dem vorhandenen Futter zu arbeiten, es heisst weniger Hochleistung.

Ich habe kürzlich mit einem Milchbauern gesprochen. Er hat gesagt: "Ich habe umgestellt, das rechnet sich für mich. Ich produziere zwar einerseits weniger Milch, aber ich muss andererseits auch weniger zusätzliches Futter zukaufen. Das heisst, ich habe auch weniger unternehmerisches Risiko." Ich habe kürzlich auch mit einer Expertin in Sachen Fleischproduktion gesprochen. Sie hat mir von einem Vergleich von Agroscope erzählt, der zeige, dass extensive Bioweidemast gegenüber der intensiven Rindermast konkurrenzfähig sei. Für uns alle, für uns Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet weniger Hochleistung letztlich, weniger Fleisch zu essen und bereit zu sein, für dieses Fleisch ein bisschen mehr zu zahlen und nicht gerade mit Panik zu reagieren, wenn jemand das vorschlägt.

Ich komme zum Schluss. Ich glaube, wir haben in nächster Zeit einen sehr grossen Diskussionsbedarf. Wir sollten über Zollschutz für pflanzliche Produkte sprechen, über Futtermittelimporte, über ungeniessbares Grundwasser, über Grossverteiler, die plötzlich wieder auf total billig machen, über Subventionen, die in die total verkehrte Richtung gehen, über WTO-Regeln und die Frage, ob diese wirklich so vieles verhindern, was wünschbar wäre. Nur eines ist für mich keine Option: die bestehenden Probleme wegzureden. In der Politik mag das eine Zeit lang funktionieren, für die Welt, in der wir leben, ist es ganz schlecht.

Deshalb unterstütze ich den Gegenvorschlag. Dort steht drin, welche Hausaufgaben wir dringend erledigen sollten.