Zybach Ursula · Nationalrat · 2025-12-18
Zybach Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-12-18
Wortprotokoll
Beim Themenbereich Tourismus reichte ich einen Minderheitsantrag ein. Nachdem der Nationalrat meinem Anliegen in der letzten Abstimmung mit 108 zu 78 Stimmen klar zustimmte, ist mein Antrag im Rahmen der Differenzbereinigung nun wieder zu einem Minderheitsantrag geworden. Der Betrag für die Position "Schweiz Tourismus" soll bei der touristischen Landeswerbung der Schweiz im Ausland, insbesondere bezüglich der Fernmärkte, gekürzt werden.
Wie wir alle beobachten konnten, nahmen die Reisefreude und die damit verbundene Reisetätigkeit in den letzten Jahren massiv zu. Private Influencer posten täglich die Schönheiten unseres Landes. Sie werden dafür auch von Schweiz Tourismus engagiert. Anfang Dezember war beispielsweise eine sehr bekannte 36-jährige arabische Influencerin in Interlaken. Sie residierte in einem schönen Hotel, fütterte die Dohlen auf dem Jungfraujoch und zeigte damit, wie schön unser Land ist.
Doch ist es wirklich nötig, noch mehr Gäste anzuziehen? Solche Aktionen führen klar zu mehr Touristinnen und Touristen, wodurch nicht nur für uns, sondern auch für unsere Gäste Lebensqualität und Attraktivität verloren gehen. Unsere Städte und Dörfer, wie Lauterbrunnen, Kandersteg oder Interlaken, sind schon heute am Anschlag. Sie versuchen, den Gästestrom zu lenken, etwa durch die Erhebung eines Eintrittspreises für den Steg am Brienzersee oder durch eine langsamere Bergfahrt, damit nicht so viele Gäste an den Oeschinensee gelangen. Damit man sich das besser vorstellen kann: Am Oeschinensee, diesem wunderschönen Ort im Berner Oberland, sind an Spitzentagen 8000 Menschen an[NB]einem[NB]Ort,[NB]von[NB]dem[NB]man[NB]auf den Bildern den Eindruck hat, man könne ganz alleine das tiefe, schöne Blau des Sees geniessen.
Eine Kürzung des Betrags bei der Position "Schweiz Tourismus" bezüglich der touristischen Landeswerbung wird keinen Einbruch zur Folge haben, sondern der Touristenstrom wird weiterhin zunehmen, so wie auch wir selbst kontinuierlich mehr reisen. Immer mehr Menschen auf der Welt[NB]sind[NB]in[NB]der[NB]Lage,[NB]in Gruppen oder individuell unterwegs zu sein.
Gestatten Sie mir noch folgende Ergänzung: Wenn Schweiz Tourismus Geld einsetzt, damit noch mehr Gäste aus dem Ausland in die Schweiz kommen, haben wir auch ein weiteres Problem, wie das Beispiel Interlaken verdeutlicht. Dort gibt es viele Autos, die falsch fahren oder parkieren und dafür Bussen erhalten; doch nicht alle Bussen werden bezahlt. Interlaken muss jedes Jahr rund 250[NB]000 Franken abschreiben, da internationale Abkommen fehlen, die es erlauben würden, diese Gebühren einzutreiben. Es laufen zwar politische Aktivitäten, damit dies künftig möglich sein wird. Trotzdem sollten wir realisieren, dass wir einerseits viel Geld ausgeben, um mehr Touristen in die Schweiz zu bringen, dass aber andererseits den Städten und Gemeinden Geld sowie uns allen viel Lebensqualität verloren geht.