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Schneider Meret · Nationalrat · 2026-03-09

Schneider Meret · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2026-03-09

Wortprotokoll

Wann immer ich an den furchtbaren Brand und die Katastrophe in Crans-Montana denke, an die Schicksale dieser Menschen und ihrer Angehörigen, wird mir ein bisschen flau, und ich kann mein Mitgefühl für die Betroffenen nicht in Worte fassen. Ich denke, vielen in diesem Saal geht es so, und genau in diesem Empfinden sollten wir nun handeln.

Der Bundesrat will die Opfer und ihre Angehörigen mit einem Solidaritätsbeitrag unterstützen; das Wort "Solidaritätsbeitrag" soll im Folgenden noch von Bedeutung sein. Für jede verstorbene oder schwer verletzte Person wird ein Pauschalbetrag von 50[NB]000 Franken ausgerichtet. Dies ist eine ausserordentliche Massnahme, aber - und das wurde in diesem Saal jetzt wirklich schon mehrfach gesagt - ausserordentliche Situationen erfordern ausserordentliche Massnahmen. [PAGE 239]

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana ist nämlich kein Unglück wie viele andere. In der jüngeren Geschichte der Schweiz gab es kaum ein Ereignis mit so vielen Opfern. 41 Menschen sind ums Leben gekommen, 115 Menschen wurden schwer verletzt, viele Opfer mussten in ausländischen Spitälern versorgt werden, weil die Kapazität nicht ausreichte.

Per Stand vom 4.[NB]März sind immer noch 45 Patientinnen und Patienten in Spitälern oder in Rehakliniken im In- und Ausland. Die Behandlung ist langwierig, sie ist medizinisch anspruchsvoll, und sie ist teuer. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen bedeutet das eine grosse körperliche, psychische und eben auch finanzielle Belastung, insbesondere für Eltern, die beispielsweise im Ausland übernachten mussten, um in der Nähe ihrer Kinder zu sein.

Der Bundesrat stützt seinen Entscheid für den Solidaritätsbeitrag auf eine Analyse der bestehenden Hilfsangebote und kommt zum Schluss, dass dieser angebracht ist. Ich bitte Sie, diesem zuzustimmen, und ich hätte ganz persönlich grosse Mühe damit, wenn unser Parlament, das ich sehr schätze, diesen Solidaritätsbeitrag verweigern würde.

Es gibt eine Minderheit Bühler, die auf das Gesetz nicht eintreten möchte, und eine Minderheit I (Graber), die einen Beitrag in der Höhe der tatsächlichen finanziellen Bedürftigkeit auszahlen möchte: Wie stellen Sie sich das bitte vor? Sollen die Opfer und ihre Angehörigen ihre Steuererklärungen und Belege der Übernachtungen in der spitalnahen Unterkunft einreichen müssen? Die Abrechnungen der Spitäler, die Erwerbsausfälle infolge der grossen psychischen Belastungen? Ist die unverletzte Mutter einer verstorbenen Jugendlichen von einem solchen Solidaritätsbeitrag ausgenommen, da sie keine direkten finanziellen Kosten zu tragen hatte? Steigt der Anspruch auf Unterstützung mit der Schwere der direkten körperlichen Verletzung? So zu denken und zu urteilen, ist in meinen Augen zynisch und entbehrt jeder Empathie. Wer so an eine menschliche Katastrophe herantritt und Schicksale gegeneinander verrechnet, hat das Prinzip der Solidarität nicht verstanden.

Ich bitte Sie daher dringend im Namen der Menschlichkeit und des Mitgefühls angesichts der grausamen Schicksale aller Betroffenen, dem Solidaritätsbeitrag, wie er vom Bundesrat vorgeschlagen wurde, und der Errichtung eines runden Tisches für eine aussergerichtliche Lösungssuche zuzustimmen und die Anträge der Minderheiten, die diesen ablehnen oder einschränken wollen, abzulehnen. Zudem bitte ich Sie, dem Minderheitsantrag Arslan für die Verbesserung des Opferhilfegesetzes zuzustimmen. Ich denke, das ist das Mindeste, was wir hier für die Opfer und ihre Angehörigen tun können.