Schläpfer Therese · Nationalrat · 2026-03-17
Schläpfer Therese · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-03-17
Wortprotokoll
Das Postulat Balmer zielt eindeutig auf einen Ausbau oder, sagen wir, auf die Förderung von Geschlechtsumwandlungen von Jugendlichen. Das sieht man daran, dass Kollegin Balmer oft Fragen zu Mängeln, restriktiven Umgängen und Einschränkungen stellt. Ihr Postulat ist ungenau formuliert und will Auskunft über Transjugendliche und dann wieder über urteilsfähige Jugendliche. Unklar ist, Personen welchen Alters sie mit "Jugendliche" meint. Meint sie Minderjährige oder bis 25-Jährige, oder meint sie bereits operierte Jugendliche?
Jugendliche und Minderjährige sind nicht dasselbe. Es geht hier um unumkehrbare Geschlechtsoperationen. Bei einer Mastektomie geht es darum, bei Mädchen in der pubertären Phase der Unsicherheit ihre gesunden Brüste wegzuoperieren. Bei Männern werden die primären Geschlechtsorgane entfernt. Das sind schwerwiegende, irreversible Eingriffe. Solche Entscheidungen dürfen nicht in der Pubertät und sicher nur mit Zustimmung der Eltern gefällt werden.
Sollen Ärzte mit ihrem hippokratischen Eid überhaupt solche Operationen an Jugendlichen vornehmen? Der Eid verpflichtet, nicht zu schaden, doch geschlechtsangleichende Eingriffe sind irreversibel; sie können zu Sterilität, Komplikationen und späterem Bedauern führen. Viele Betroffene berichten über Reue.
Nie weist das Postulat auf die fortschrittliche Handhabung der Zürcher Gesundheitsdirektion hin. Das ist unverständlich und schade, denn die Postulantin ist selbst Medizinerin und kommt aus diesem Kanton. Der Kanton Zürich ist zu diesem Thema seit Ende 2023 sehr aktiv. Er hat ein Kompetenznetzwerk Geschlechtsinkongruenz unter der Leitung des Instituts für Biomedizinische Ethik der UZH gegründet, um die Qualität und Transparenz bei der Behandlung von Transgenderpersonen zu erhöhen. Das Rechtsgutachten von Professor Dr. Thomas Gächter und Professorin Dr. Brigitte Tag mit dem Titel "Medizinische Behandlungen bei Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie" zeigt, dass ein Verbot von operativen Eingriffen an Minderjährigen auf Bundesebene geschaffen werden müsste. Eine restriktive Regelung, zum Beispiel ab 18 Jahren, ist kantonal zulässig.
Die zusammengetragenen Zahlen zu geschlechtsangleichenden Operationen in verschiedenen Alterskategorien und Herkunftskantonen von 2018 bis 2024 zeigen eine starke Rückläufigkeit. Der britisch-kanadische Politologe Eric Kaufmann hat eine Umfrage unter nonbinären Studenten an amerikanischen Schulen ausgewertet und kam zum Schluss, dass trans ein Trend sei. Zwischen 2023 und 2025 ist die Zahl der Transmenschen von 8 auf 2 Prozent gesunken.
Eine psychiatrische Versorgung wird im Kanton Zürich ebenfalls gewährleistet. Eine Indikationsstellung erfolgt in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Nationalen Ethikkommission der Schweiz.
Sie sehen: Der Kanton Zürich hat zu diesem Thema bereits viel ausführliche Arbeit geleistet. Es erschliesst sich mir nicht, weshalb man auf Bundesebene nicht mit dem Kanton Zürich zusammenarbeiten soll und auf diesen Erkenntnissen aufbauen kann. Man muss ja die gleiche Arbeit nicht doppelt machen - damit würde man nur die Verwaltung beschäftigen. [PAGE 482]
Ebenfalls muss man in Betracht ziehen, dass es sich um eine sehr kleine Gruppe Menschen handelt. Die Kosten im Gesundheitswesen und in der Verwaltung steigen unentwegt. Die Leistungen werden ständig ausgebaut. Daran sind auch wir Politiker schuld, da wir auf immer mehr Gruppen Rücksicht nehmen wollen. Immer mehr Minderheiten sollen Spezialbehandlungen bekommen. Die Forderungen sind absehbar: Es braucht mehr Fachstellen, mehr Angebote, mehr Ausbildung, mehr medizinische Leistungen. Es entwickelt sich eine neue Beratungsindustrie. Steuerzahler, Prämienzahler und das Entlastungspaket lassen grüssen. Weshalb soll der Bund nicht auf die Vorarbeit und auf die bestehenden Erkenntnisse setzen und diese weiterentwickeln?
Ich bitte Sie, die Vernunft walten zu lassen, das Postulat Balmer abzulehnen und eine Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich in Angriff zu nehmen.