Hess Erich · Nationalrat · 2026-03-17
Hess Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-03-17
Wortprotokoll
Der Titel des Vorstosses klingt gut. Mehr Eigenverantwortung ist wichtig, das sehe ich grundsätzlich genau gleich. Aber es bringt nichts, einen weiteren Bericht zu erstellen, der nur viele Kosten verursacht und unter dem Strich nichts bringt. Denn es gab schon viele Analysen, die prüften, wie gross die Wirkung der Gesundheitskompetenz auf das Verhalten der Leute schlussendlich ist. Wir haben über die Krankenkassen, über Kampagnen und über Gesundheitsorganisationen so viele umfangreiche Informationen zur Verfügung; diese sind alle wissenschaftlich abgestützt. Wir wissen alle, dass wir nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, kein Übergewicht haben und viel Sport treiben sollten.
Aber was ist der Fall? Obwohl wir alle wissen, dass wir nicht rauchen sollten, raucht ein Viertel der Schweizer Bevölkerung. Bringt da mehr Prävention etwas? Auf den Zigarettenpaketen betreiben wir schon genügend Prävention.
Zum Alkohol: Rund 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung pflegen einen problematischen Umgang mit Alkohol - meint zumindest das BAG. Diese 20 Prozent haben wahrscheinlich noch nie davon gehört, dass zu viel Alkoholkonsum dem Körper schaden könnte.
Zum Übergewicht: 43 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind übergewichtig. Diese 43 Prozent haben noch nie etwas davon gehört, dass Übergewicht gesundheitsschädigend sein kann.
Schauen Sie, wir wissen dies alles. Braucht es da noch mehr Informationen? Nein. Die Leute setzen sie ja trotzdem nicht um. Die Informationen sind vorhanden, und wir können sie auch mit mehr Informationen nicht noch mehr beeinflussen.
Ich gehe nicht davon aus, dass mehr Leute Sport treiben würden, wenn der Bund jetzt noch stärker propagieren würde, dass sie mehr Sport treiben sollen. Es bringt aus meiner Sicht auch nichts, wenn die Krankenkassen die Sportabonnements bezahlen. Ich kenne viele, die von ihren Krankenkassen Sportabonnements bezahlt bekommen. Aber wenn sie dann einmal oder zweimal im Jahr hingehen, ist das schon viel. Gut, es ist besser als nichts, aber sie würden besser jeden Tag ein wenig laufen gehen. Damit hätten sie für ihre Gesundheit mehr gemacht und die Gesundheitskosten weniger belastet.
Es geht sogar noch weiter: Wir haben Drogen verboten. Nehmen wir das Beispiel Cannabis. Trotz des Verbots haben 30 bis 35 Prozent der Bevölkerung schon einmal Cannabis konsumiert. Es liegt also nicht an der Aufklärung. Aufklärung ist zudem eine föderalistische Aufgabe. Wir haben klar festgelegt, wer zuständig ist. Für die Gesundheitsförderung und die Bildung in Sachen Gesundheit sind grundsätzlich die Kantone und nicht der Bund zuständig.
Deshalb bitte ich Sie, dieses Postulat abzulehnen.