Wandfluh Ernst · Nationalrat · 2026-03-18
Wandfluh Ernst · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-03-18
Wortprotokoll
Bei der Volksinitiative "Ja zum Importverbot für Stopfleber (Stopfleber-Initiative)" geht es um nichts weniger als den Zusammenhalt der Schweiz. Der Konsum von Stopfleber gehört in der Westschweiz zur kulturellen Tradition. Es geht doch nicht, dass wir als Gesellschaft in der Schweiz freien, mündigen Schweizerinnen und Schweizern vorschreiben wollen, was sie essen dürfen und was nicht. Was ist das Nächste, was gewisse Kreise uns vorschreiben wollen? Mit wem wir ins Bett zu gehen haben und am besten noch um welche Zeit? Ganz genau, das geht niemanden etwas an. Und auch beim Essen gilt: Es geht niemanden etwas an, was ein Schweizer essen will und was nicht. Diese[NB]Initiative[NB]bedeutet einen Eingriff in die Privatsphäre jedes Schweizers und jeder Schweizerin. Das kann einfach nicht gehen.
Ich kann zwar verstehen, dass man aus Tierschutzüberlegungen für diese Initiative ist, und ich bin auch der Meinung, dass das ein legitimes Anliegen von Tierschutzkreisen ist. Aber sie schiessen komplett am Ziel vorbei. Seit Jahrzehnten ist in der Schweiz, und das auch zu Recht, die Stopfleberproduktion verboten. Die Bilder von zwangsernährten Enten sind wirklich schwierig. Aber mit einem Verbot wird es keiner einzigen Gans in Frankreich besser gehen. In die Schweiz wird nur etwa 1 Prozent der Produktion importiert. Mit einem Verbot werden diese Mengen einen anderen Weg zu ihren Konsumenten finden. Wir werden mit dieser Initiative beim Tierwohl in der EU nichts ändern, gefährden aber den Zusammenhalt in der Schweiz, insbesondere das Verhältnis der Deutschschweiz zur Westschweiz. Lassen wir doch unsere Traditionen gegenseitig bestehen.
Auch ist die Initiative mit dem Freihandelsabkommen mit der EU nicht kompatibel. Mit der Deklarationspflicht, die bereits beschlossen ist, geht die Schweiz einen Königsweg. Man kennt das auch von anderen Produkten. Man weiss, dass der Konsum von Produkten zurückgeht, wenn etwas deklariert werden muss, z.[NB]B. Fleisch, das mit Antibiotika belastet ist. Lassen wir uns doch diesen Weg gehen und[NB]schauen,[NB]ob[NB]diese[NB]Deklaration so hilft, und lassen wir die Konsumenten frei entscheiden, was sie kaufen wollen und was nicht.
Vielen Dank, dass Sie diese Initiative zur Ablehnung empfehlen.