Candan Hasan · Nationalrat · 2026-03-19
Candan Hasan · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-03-19
Wortprotokoll
Seit Jahrhunderten gehören der Feldhase und die Feldlerche zum Schweizer Kulturland; doch den beiden Archetypen unseres Kulturlandes geht es schlecht. Ihre Populationen, ihre Bestände haben in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen, und beide Arten sind in ihrem Fortbestehen gefährdet. Im Rahmen des Programms "Getreide in weiter Reihe" und mit dem Ziel von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf Ackerland gab es zwei Massnahmen, welche diesen negativen Entwicklungen entgegenwirken sollten. Der Bundesrat hat die Massnahme "Getreide in weiter Reihe" aber aufgehoben, nachdem das Parlament das Ziel von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf Ackerland rückgängig gemacht hat. Im Rahmen von "Getreide in weiter Reihe" sind seit 2025 keine direkten Bundesbeiträge für Biodiversitätsförderflächen mehr möglich.
In gewissen Kantonen kann die Massnahme in reduzierter und modifizierter Form bei kantonalen Vernetzungsprojekten beitragsberechtigt sein. Viele Landwirtinnen und Landwirte werden die Massnahme aber nicht weiterführen können. Im Kanton Luzern, wo ich herkomme, hat sich die als "Hasengetreide" bezeichnete Fläche nach dem Entscheid des Bundesrates halbiert. Dies ist insofern bedauerlich, als die Massnahmen eine positive Wirkung auf die Entwicklung der Bestände haben. Eine aktuelle Studie in Bezug auf die Schweiz zeigte: Eine im Rahmen von "Getreide in weiter Reihe" erzielte Zunahme von 1 Prozent bewirkt eine durchschnittliche Zunahme der Feldhasenpopulation von 3,6 Prozent. Ohne neue Massnahmen ist zu befürchten, dass sich der Zustand der Feldhasen- und der Feldlerchenpopulation weiter verschlechtern wird. Aus diesem Grund möchte ich den Bundesrat damit beauftragen, Massnahmen zu prüfen und Bericht zu erstatten, wie der Feldhase und die Feldlerche im Schweizer Kulturland erhalten und gefördert werden können, um die Zukunft dieser beiden zum Kulturland gehörenden Tierarten zu sichern.
Der Feldhase ist nicht nur in der Natur, sondern auch in unserer Kultur fest verankert. Er hat es geschafft, Sinnbild für einen unserer bedeutendsten Feiertage und Bräuche zu sein, und ist Teil unserer Sprache. Der Hase begleitet uns seit unserer Kindheit: "Da liegt der Hase im Pfeffer"; "wissen, wie der Hase läuft"; "Angsthase"; "alter Hase". Mal ist er ängstlich, mal flüchtig, mal schlau und erfahren, mal schnell und überheblich wie in der Fabel vom Hasen und der Schildkröte, in welcher der überhebliche Hase die langsame Schildkröte verspottet und zu einem Rennen herausfordert. Während der siegessichere Hase schläft, siegt die Schildkröte durch Stetigkeit und Ausdauer. Die Moral von der Geschichte: Beharrlichkeit überwindet Arroganz und überlegene Schnelligkeit. Das könnte wohl auch manchmal auf uns in diesem Saal zutreffen.
Am besten gefällt mir die Redewendung "wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen". Es gibt heute noch Orte mit Namen wie Hasenbühl, Hasenmatt, Hasenacker, Hasenstrick, Hasenägerten, Hasengrund, Hasenboden usw. Wie Sie sehen, der Feldhase gehört zu unserer Kultur. Er verschwindet aber schleichend aus unserer Kulturlandschaft. Ich möchte, dass er uns an beiden Orten erhalten bleibt.
Ich danke dem Bundesrat wirklich, dass er sich des Postulates und des Anliegens annehmen möchte. Ich danke Ihnen, wenn Sie das Postulat ebenfalls unterstützen. Ich glaube, dass mindestens die Vertreterinnen und Vertreter aus dem Kanton Thurgau dem Postulat zustimmen müssen, denn ich habe heute herausgefunden, dass auf der Boiserie bei den Sitzen ihrer Standesvertreter ein Feldhase zu sehen ist. (Zeigt auf die Sitze an der Rückwand des Nationalratssaals) Ich habe das nicht gewusst. Das ist auch eine schöne Anekdote, wie der Hase jeden Tag über uns wacht. (Teilweise Heiterkeit)