Meier Andreas · Nationalrat · 2026-04-27
Meier Andreas · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-04-27
Wortprotokoll
Dieser Vorstoss zur Schaffung eines Zertifizierungsrahmens für die CO2-Speicherung in unseren Böden mag wie alter Wein in neuen Schläuchen erscheinen. Die Anrechnung der Senkenleistung von Böden ist gemäss CO2-Verordnung ja seit 2022 möglich, und die Herausforderungen bei Messbarkeit und Permanenz sind bekannt. Neu ist jedoch, dass die EU am 6.[NB]Dezember 2024 ihre Verordnung zum Carbon Removal Certification Framework publiziert hat. Sie schafft erstmals einen EU-weiten, freiwilligen Zertifizierungsrahmen für CO2-Entnahme, Carbon Farming und CO2-Speicherung in Produkten.
Mit diesem Postulat wollen wir den Bundesrat beauftragen, ebenfalls aktiv zu werden. Ich begründe das in vier Punkten.
1.[NB]Die Grundlagen: Die Kohlenstoffspeicherung in landwirtschaftlichen Böden bietet grosse Chancen für die Emissionsminderung und Ertragssicherheit. Humusgehalt und biologische Aktivität stärken die Anpassung an den Klimawandel. Weniger Erosion und Verdichtung, bessere Wasseraufnahme und -speicherung sowie höhere Biodiversität erhöhen die Resilienz der Betriebe.
2.[NB]Das Potenzial: Während das Potenzial früher als begrenzt galt, zeigen neuere Studien, dass es in landwirtschaftlichen Böden deutlich grösser ist. Trotz technischer Herausforderungen bei kostengünstigen Messungen braucht es einen Zertifizierungsrahmen, der den Bedürfnissen von Landwirtschaft, Handel und Industrie entspricht. Voraussetzung dafür ist eine verlässliche und transparente Bilanzierung.
3.[NB]Das Greenwashing: Der Markt für CO2-Zertifikate wächst und birgt Risiken. Deshalb müssen auch alternative Vergütungsmodelle geprüft werden. Eine faire Abgeltung erbrachter Leistungen erfordert klare, strenge Regeln im Einklang mit nationalen und internationalen Verpflichtungen.
4.[NB]Die Chancengleichheit: Die Schweizer Landwirtschaft soll von bestehenden und künftigen Klima- und Pilotprojekten profitieren, abgestimmt mit kantonalen Klimaplänen. Der ökologische Leistungsnachweis, IP-Suisse und Bio Suisse bieten Synergien und spielen eine Schlüsselrolle in der Umsetzung. Wichtig ist zudem: Betriebe, die bereits investiert haben, dürfen nicht benachteiligt werden. Ein faires System muss sowohl bisherige als auch zukünftige Leistungen honorieren.
Ich fasse zusammen: Carbon Farming bietet ökologische und wirtschaftliche Chancen. Dieser Vorstoss ist keine Wiederholung, sondern ein notwendiger Schritt hin zu einem EU-kompatiblen Rahmen und ein Schutz vor intransparenten Parallelmärkten und Greenwashing. [GZ]
Ich danke für Ihre Unterstützung.