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Schlatter Marionna · Nationalrat · 2026-04-30

Schlatter Marionna · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2026-04-30

Wortprotokoll

Als die Demokratie im antiken Athen vor 2500 Jahren auf die Welt kam, durften nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung abstimmen: die besitzenden, freien, männlichen und über 30-jährigen Bürger der Stadt. Das war eine elitäre Minderheitsdemokratie. Heute würden wir dazu sagen, das sei eigentlich ziemlich undemokratisch gewesen. Bis 1971 durfte in der Schweiz die Hälfte der Bevölkerung nicht mitbestimmen. Wir Frauen hatten politisch nichts zu melden, man hielt uns der politischen Meinungsbildung für unfähig. Heute sagen wir dazu, das sei ziemlich undemokratisch gewesen. 2026 sind wir an einem ähnlichen Punkt angelangt. In vielen Gemeinden kann nur die Hälfte der Einwohnerschaft abstimmen, es entscheidet eine Minderheit über die Mehrheit. Wir dürfen uns heute auch fragen, wie demokratisch das noch ist. Rund zwei Millionen Menschen, ein Viertel der ständigen Wohnbevölkerung, sind von der politischen Mitbestimmung ausgeschlossen, obwohl sie hier leben, hier ihre Steuern bezahlen, hier oft in systemrelevanten Berufen arbeiten und obwohl sie unsere Gesellschaft und Gemeinschaft, Kultur und Wirtschaft Tag für Tag mitgestalten.

Die Geschichte der Demokratie ist eine Geschichte der Öffnung. Alle an den Tisch zu holen und einzubinden, das ist die beste Garantie für unseren sozialen Frieden. Wer entscheidet, übernimmt Verantwortung für unser Zusammenleben. In einer Zeit, in der Demokratien weltweit unter Druck stehen, in der Populismus und Polarisierung Gräben ziehen, ist die Antwort nicht Ausgrenzung. Die Antwort ist mehr Demokratie, eine lebendigere, farbigere und damit legitimere Demokratie. Jede Generation vor uns hat die Demokratie ein Stück weitergebaut, hat sie wetterfester und inklusiver gemacht. Es ist Zeit für den nächsten Schritt.

Ich unterstütze die Demokratie-Initiative aus Überzeugung, denn es ist genug Demokratie für alle da.