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Knutti Thomas · Nationalrat · 2026-04-30

Knutti Thomas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-04-30

Wortprotokoll

Wir sprechen heute über ein Problem, das in den Berggebieten längst Realität ist, hier im Saal wird es leider immer noch unterschätzt: die zunehmenden Schäden an unseren Nutztieren durch den Gänsegeier. In den letzten zehn Jahren hat sich die Situation deutlich verändert. Besonders in den Kantonen Bern, Wallis, Tessin und Graubünden beobachten die Älplerinnen und Älpler eine zunehmend tragische Situation aufgrund dieser Tiere. Was früher eine seltene Erscheinung war, ist heute Alltag: Grosse Schwärme von Gänsegeiern kreisen über unseren Alpen.

Nun wird oft beschwichtigt, der Gänsegeier sei harmlos, er fresse nur Aas. Doch die Realität vor Ort ist eine andere. Wenn mehrere Dutzend dieser grossen Vögel über einer Herde kreisen, geraten die Tiere in Panik. Schafe und Ziegen flüchten, stürzen ab oder werden zu Tode gehetzt. Und ja, es gibt auch dokumentierte Fälle von geschwächten Tieren, die angegriffen werden. Hinzu kommt die Wechselwirkung mit der zunehmenden Wolfspopulation. Wird ein Tier gerissen, dauert es nicht lange, bis die Gänsegeier vor Ort sind. Sie verstärken den Druck auf die Herden zusätzlich.

Für die betroffenen Landwirte spielt es am Ende keine Rolle, ob das Tier direkt gerissen, in Panik abgestürzt oder nach einem Angriff verendet ist. Der Schaden ist da. Und genau hier liegt das Problem. Heute erhalten die Tierhalter in solchen Fällen keine Entschädigung. Der Schaden wird schlicht und einfach ihnen überlassen. Das ist nicht akzeptabel.

Wir verlangen nichts Aussergewöhnliches. Es geht um Fairness. Wenn nachweislich Nutztiere durch Gänsegeier oder die indirekten Folgen, etwa Panik und Absturz, zu Tode kommen, müssen diese Schäden entschädigt werden, wie wir es auch bei Schäden, die durch andere Grossraubtiere verursacht werden, kennen. Die Voraussetzung ist klar: Es braucht eine Bestätigung durch den Wildhüter. Es geht also nicht um pauschale Zahlungen, sondern um nachvollziehbare, überprüfbare Fälle.

Unsere Älpler leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer Kulturlandschaft. Sie sorgen dafür, dass die Alpen offen bleiben, dass die Biodiversität erhalten wird und dass wir hochwertige Lebensmittel produzieren können. Gleichzeitig [PAGE 857] sind wir heute immer mehr mit Auflagen und Risiken konfrontiert. Zu viele Älpler haben sich in letzter Zeit bei mir gemeldet und mir gesagt, sie würden aufhören, sie hätten genug. Die Verbuschung in Gebieten auf über 700 Metern über Meer nimmt zu, insbesondere die Grün-Erle wächst drei- bis viermal schneller als der Wald. In den letzten zwanzig Jahren sind 5 Prozent der Alpweiden - die Fläche des Kantons Schaffhausen - verloren gegangen. Wenn wir wollen, dass die Alpwirtschaft eine Zukunft hat, müssen wir auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört, dass wir Schäden, die durch Wildtiere entstehen - dazu gehört eben auch der Gänsegeier -, korrekt erfassen und entschädigen.

Ich bitte Sie deshalb, diesem Vorstoss zuzustimmen. Es ist ein pragmatischer, fairer und notwendiger Schritt im Interesse unserer Berglandwirtschaft.