Töngi Michael · Nationalrat · 2026-06-09
Töngi Michael · Nationalrat · Luzern · Grüne Fraktion · 2026-06-09
Wortprotokoll
Vor 40 Jahren explodierte im Atomkraftwerk Tschernobyl der Reaktor des Blocks[NB]4. Viele Menschen verloren ihr Leben, grosse Gebiete wurden verstrahlt, und noch heute ist eine Fläche von mehr als 4000 Quadratkilometern ein Sperrgebiet. Dieses Gebiet ist grösser als der Kanton Waadt.
Wollen wir wirklich eine Energieproduktion weiterführen, die derart unglaubliche Schäden verursachen kann? Dass ein Unglück in einem Atomkraftwerk zu einer regionalen und weltweiten Katastrophe führen kann, ist eine Gefahr, die mit dieser Technologie verknüpft ist. Diese potenzielle Gefahr ist viel grösser als jeder Unfall, der in einer anderen Energieanlage passieren kann. Man sagte damals: Ja gut, das ist in einem maroden kommunistischen Staat passiert. So redeten sich die Atombefürworter damals heraus, obwohl es schon damals auch im Westen Unfälle gab. Ich kann mich selbst noch an den Reaktorunfall bei Harrisburg im Jahr 1979 erinnern.
Es brauchte dann noch Fukushima, bis sich die Schweiz aufmachte, sich von dieser gefährlichen Energieproduktion zu verabschieden. Fukushima fand nicht in einem maroden kommunistischen Staat statt, sondern in einem modernen, hochtechnologisierten Staat. Mit Fukushima gab es eine klare Mehrheit, um den Neubau von Atomkraftwerken zu verbieten und endlich viel stärker auf erneuerbare Energien zu setzen. Die Schweiz hatte bis dahin viele gute Jahre verloren, in denen andere Länder viel mehr in Sonnen- und Windenergie investierten und vorwärtsgingen. Seit Ende der 1990er-Jahre hatte die Schweiz kaum Fortschritte gemacht und musste dies mit einer starken Abhängigkeit von Nuklear- und fossilen Energien büssen. Jetzt sind wir daran, die erneuerbaren Energien richtig zu fördern und vorwärtszumachen, und es sind auch immer mehr Personen in diesem Land bereit, mitzumachen und selbst zu investieren.
Wenn es keine Alternativen gäbe, würde ich ja noch verstehen, dass man diese Debatte um die Atomenergie führt - aber es gibt sie längst, und sie werden in genügender Menge vorhanden sein, bevor ein neues Atomkraftwerk in Betrieb gehen würde. Ich finde es eine der merkwürdigsten Geschichten der Politik der letzten Jahre, dass man die Zulassung neuer Atomkraftwerke diskutiert und eine weitere Schlaufe und ein weiteres Kapitel an eine Geschichte anhängen will, deren Ende doch vor zehn Jahren beschlossen wurde. Ich hoffe sehr, dass das Parlament diese Geschichte nicht nochmals weiterführen will. Kommt es anders, dann wird es die Bevölkerung sein, die diese Schlaufe beenden wird.