Gredig Corina · Nationalrat · 2026-06-09
Gredig Corina · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-06-09
Wortprotokoll
Wer die Türen für den Bau neuer AKW öffnet, muss auch die Fragen beantworten, wer diese AKW finanzieren soll, wer die Risiken trägt und welche Folgen das für unsere heutige Energiepolitik hat. Genau diese Fragen blieben bis heute noch unbeantwortet.
Die internationale Erfahrung zeigt: Kein einziges AKW wird ohne staatliche Unterstützung gebaut. Im Ausland gibt es staatliche Preisgarantien, Bürgschaften oder direkte Beteiligungen. Wer heute das Neubauverbot aufhebt, schafft morgen den politischen Druck, Milliardenrisiken auf die öffentliche Hand und den Steuerzahlenden abzuwälzen.
Der Gegenvorschlag hat einen weiteren Nachteil. Er schwächt genau die Investitionen, die wir jetzt brauchen. Die energiepolitische Herausforderung liegt nicht im Jahr 2050, sie liegt in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren. Wir brauchen mehr Winterstrom, mehr Versorgungssicherheit und einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien. Wenn die Politik jetzt aber Milliardeninvestitionen in neue AKW in Aussicht stellt, verunsichert das Investoren in den Bereichen Solarenergie, Wasserkraft, Windkraft und Speichertechnologien. Genau darauf weisen verschiedene Analysen hin.
Die Aussicht auf neue Kernkraftwerke verschlechtert auch die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Projekte und bremst deren Ausbau. Dabei brauchen wir diese doch genau jetzt. Ja, die Energiewende schreitet erfolgreich voran. Die Schweiz baut Solarstrom so schnell und so viel aus wie noch nie zuvor. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet, wenn wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Die 4-E-Strategie der GLP verbindet Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Europa, also die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern. Sie zeigt den Weg zu einer klimafreundlicheren, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung.
Die Blackout-Initiative verkauft hingegen eine teure Illusion als Zukunftsprojekt. Neue Atomkraftwerke lösen kein einziges unserer aktuellen Energieprobleme. Neue AKW kommen zu spät, sie kosten zu viel, und sie binden Milliarden Franken. Selbst die grossen Schweizer Stromunternehmen weisen darauf hin, dass neue AKW unter Marktbedingungen nicht wirtschaftlich sind und ohne staatliche Garantien kaum gebaut würden. Wir sollten darum nicht auf Technologien von gestern setzen, sondern auf die Lösungen von morgen: auf Solarenergie, Wind- und Wasserkraft, Speicher, Effizienz und intelligente Netze. Wer Versorgungssicherheit und Klimaschutz ernst nimmt, investiert in den Ausbau der erneuerbaren Energien statt in milliardenteure Projekte mit ungewissem Ausgang.
Ich lade Sie deshalb ein, den eingeschlagenen Weg der Energiewende konsequent weiterzugehen und sowohl die Initiative als auch den indirekten Gegenvorschlag zur Ablehnung zu empfehlen.