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Jositsch Daniel · Ständerat · 2026-06-09

Jositsch Daniel · Ständerat · Zürich · Fraktionslos · 2026-06-09

Wortprotokoll

Ich stelle mich natürlich ungern gegen eine Initiative meines Kantons, die von meiner Standeskollegin vertreten wird, aber ich muss es aus folgenden Gründen tun.

Zunächst zu meiner Interessenbindung: Ich bin Präsident des Kaufmännischen Verbandes, und der Kaufmännische Verband vertritt nicht nur kaufmännische Angestellte, sondern zu einem Grossteil auch Personen, die im Detailhandel arbeiten, die also davon betroffen wären.

Es wurde bereits eingehend ausgeführt, aus welchen Gründen das für die Angestellten im Detailhandel, die nicht über die allerhöchsten Löhne verfügen, eine zusätzliche Belastung wäre. Darauf möchte ich nicht noch eingehen. Es wurde zudem schon ausgeführt, dass das auch für die Läden nicht unbedingt ein Vorteil ist; Frau Gmür-Schönenberger hat das schöne Bild mit dem Kuchen gebraucht. Es ist tatsächlich so: Es wird nicht mehr verkauft, nur weil die Läden länger offen sind. Der frühere Chef der Migros hat mir das einmal schön anhand von Zahlen gezeigt, im Zusammenhang mit der Erweiterung der Ladenöffnungszeiten. Die Umsätze steigen nicht, aber die Kosten. Das ist auch ein Punkt, den Sie bedenken müssen. Wenn Sie mit den Leuten im Detailhandel sprechen, dann stellen Sie fest, dass es vor allem die grossen Unternehmen, die grossen Läden sind, die ein gewisses Interesse daran haben, die Ladenöffnungszeiten auszudehnen. Die kleinen Läden können das häufig nicht, weil damit die Personalkosten massiv steigen, aber die Umsätze gleich bleiben würden. Sie müssen einfach mehr bezahlen, haben aber die gleichen Umsätze.

Ich wohne seit zwei Jahren praktisch an der Bahnhofstrasse. Daher stehe ich mit verschiedenen Ladeninhabern in Kontakt. Wenn Sie die Zürcher Innenstadt anschauen, dann stellen Sie fest, dass es heute, eben beispielsweise an der Bahnhofstrasse, kaum mehr kleine, spezielle Läden gibt. Sie haben aber all diese Marken - Prada, Chanel -, die Sie überall sehen. Sie sehen in Zürich überhaupt keine speziellen Läden mehr. Wenn Sie nach London oder New York gehen, haben Sie praktisch das gleiche Angebot wie an der Zürcher Bahnhofstrasse. Das macht die Innenstadt nicht attraktiv, und das hat eben vor allem auch mit den Kosten zu tun. Kleine Unternehmen können es sich gar nicht mehr leisten, in der Zürcher Innenstadt einen Laden zu betreiben. Mit diesen Sonntagsverkaufsmöglichkeiten wird das natürlich noch schlimmer.

Ein Argument, das ich einfach nicht glaube, ist jenes der digitalen Konkurrenz. Natürlich existiert diese. Aber ich erinnere mich: Als ich jünger war, schlossen die Läden werktags um 18.30 Uhr und am Samstag um 16 Uhr, also zumindest in Zürich. Dann hat man mit der Konkurrenz aus dem Ausland und der digitalen Konkurrenz argumentiert, und mittlerweile sind die Läden in Zürich bis 20 Uhr, teilweise bis 21 Uhr, geöffnet. Auch an Samstagen sind sie bis 18 Uhr, 20 Uhr oder 21 Uhr geöffnet, und offenbar hat sich nichts geändert. Jetzt spricht man wieder über die digitale Konkurrenz und soll Sonntagsverkäufe ermöglichen. Ich glaube nicht, dass das irgendetwas ändert, ausser wenn Sie sagen würden, die Läden sollen an sieben Tagen 24 Stunden geöffnet sein. Ich glaube, so weit wollen Sie nicht gehen.

Wir waren im Februar mit der IPU-Delegation in New York. Aufgrund des Jetlags wollte ich morgens um 2 Uhr noch etwas zu essen kaufen. Ich kann Ihnen sagen: Auch in New York sind die Läden morgens um 2 Uhr leer, es ist fast trostlos. Da sind aber Angestellte, die die ganze Nacht in diesen Läden stehen müssen, obwohl niemand kommt. Ich glaube nicht, dass wir das wollen.

Die digitale Konkurrenz bekämpft man anders. Ich habe Ihnen gesagt, ich wohne fast an der Bahnhofstrasse. Ich kann Ihnen sagen, es sind Tausende Leute an der Bahnhofstrasse unterwegs. Warum? Die wollen das Verkaufserlebnis haben. Die wollen die Beratung in einem Laden haben. Die wollen Kleider anprobieren und nicht via Zalando bestellen und dann von zehn Schachteln neun wieder zurückschicken. Man bekämpft die Konkurrenz, indem man ein attraktives Verkaufserlebnis bietet. Ich glaube, das machen sehr viele Läden sehr gut.

Von daher - es tut mir leid für den Kanton Zürich und für Frau Moser natürlich - bitte ich Sie, dieser Initiative keine Folge zu geben.