Molina Fabian · Nationalrat · 2026-06-15
Molina Fabian · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-06-15
Wortprotokoll
Während wir heute über den Bau neuer Atomkraftwerke diskutieren, lohnt sich ein Blick ins europäische Ausland. Seit dem Jahr 2000 gingen in Europa lediglich fünf neue Atomkraftwerke ans Netz, vier davon in Russland. In derselben Zeit legte man dreissig AKW still. Das geschah aus gutem Grund: Neue Atomkraftwerke sind nicht nur gefährlich, wie ein Blick in die Ukraine zeigt, wo das Atomkraftwerk Saporischschja, während wir hier diskutieren, von russischen Drohnen mit potenziell katastrophalem Ausgang bedroht ist, sondern sie sind auch äusserst teuer. Der Bau des 2023 in Finnland in Betrieb genommenen einzigen neuen Atomkraftwerkes in Westeuropa seit dem Jahr 2000, Olkiluoto 3, dauerte rund zwanzig Jahre und kostete etwa 11 Milliarden Euro. Aufgrund der hohen Kosten wird sich das finnische AKW frühestens in vierzig Jahren amortisieren. Zum Vergleich: Eine Fotovoltaikanlage amortisiert sich heute in der Schweiz nach rund zehn Jahren.
Erneuerbare Energien sind heute nicht nur deutlich günstiger als AKW, sie sind auch dezentral organisiert, krisenfest und rasch einsetzbar. Während das für den Betrieb von AKW erforderliche Uran nahezu vollständig aus Ländern ausserhalb Europas stammt, oft aus politisch fragwürdigen Staaten, lassen sich erneuerbare Energien aus Rohstoffen herstellen, die bei uns im Überfluss verfügbar sind. Während Atomkraft die Abhängigkeit von Autokratien verstärkt, reduzieren erneuerbare Energien die Auslandabhängigkeit.
Und die Erneuerbaren funktionieren. Bereits heute decken sie 65 bis 70 Prozent der inländischen Stromproduktion. Wenn wir dieses Tempo beibehalten, kann die Schweiz bis 2050 ihren Energiebedarf nahezu vollständig mit erneuerbarem Strom decken. Voraussetzung ist jedoch, dass wir den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und beschleunigen.
Genau hier setzt diese Initiative zur Atomkraft an. Kippt die Schweiz das Neubauverbot bereits jetzt, entsteht für mehrere Jahrzehnte eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Zudem werden Milliarden von Franken an Steuergeldern für Planung, Versicherung und Neubau von gefährlichen AKW aufgewendet, die beim Ausbau der Erneuerbaren fehlen.
Es geht bei dieser gefährlichen und unnötigen Initiative um nichts mehr und nichts weniger als eine klima- und friedenspolitische Weichenstellung. Sollen wir unser Land einem milliardenteuren Atomexperiment mit ungewissem Ausgang aussetzen, unsere Abhängigkeit von Kriegsherren und Autokraten erhöhen und unser Land über Zehntausende von Generationen mit atomarem Abfall belasten? Oder wollen wir die Handbremse beim Zubau der Erneuerbaren endlich lösen und unsere Energieversorgung nachhaltig von der Auslandabhängigkeit befreien?
Ich bitte Sie, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und auch den Gegenvorschlag abzulehnen.