Z'graggen Heidi · Ständerat · 2026-06-18
Z'graggen Heidi · Ständerat · Uri · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-06-18
Wortprotokoll
Ich danke zunächst dem Bundesrat für seine ausführliche Stellungnahme zu meinem Postulat. Der Bundesrat zeigt auf, und das durchaus nachvollziehbar, dass bereits heute verschiedene Instrumente bestehen, um ältere Mitarbeitende in der Bundesverwaltung und in den bundesnahen Betrieben zu unterstützen und auch zu halten. Ebenso halte ich aufgrund der Aussagen des Bundesrates fest, dass die Bundesverwaltung den demografischen Wandel grundsätzlich erkannt hat und sich darauf ausrichtet. Denn der Fokus auf lebenslanges Lernen sowie auf die Sicherung von Erfahrung und Kompetenzen ist richtig und wichtig. Gleichzeitig zeigt die Antwort des Bundesrates allerdings auch, dass der Bundesrat keinen vertieften Bericht hierzu machen möchte, da keine Hinweise auf eine systematische Altersdiskriminierung vorliegen würden und bestehende Controlling-Instrumente auch keine Auffälligkeiten zeigen.
Hier stellt sich aus meiner Sicht die zentrale Frage. Wir diskutieren in der Schweiz ja seit Jahren und seit Kurzem sehr intensiv über den Fachkräftemangel und über die Frage, wie der Bedarf an Arbeitskräften in Zukunft gedeckt werden soll. Es ist uns allen klar, dass es einen starken Einfluss auf die Zuwanderung hat, wenn wir das inländische Potenzial an Arbeitskräften nicht konsequent ausschöpfen. Ältere Mitarbeitende verfügen über wertvolle Erfahrungen und Fachwissen, und es ist eine berechtigte Frage, ob dieses Potenzial im heutigen Arbeitsmarkt, insbesondere in grossen Organisationen, optimal genutzt wird.
Der Bundesrat sagt, es gebe keine Hinweise auf strukturelle Probleme. Es ist aber bekannt, dass gerade indirekte oder schleichende Entwicklungen in Personalstrukturen nicht immer unmittelbar erkennbar sind. Genau deshalb zielt mein Postulat nicht auf die Unterstellung eines Fehlverhaltens ab, und es geht auch nicht darum, bestehende Massnahmen infrage zu stellen, im Gegenteil. Die Bundesverwaltung und im Besonderen die bundesnahen Betriebe gehören zu den grössten Arbeitgebern der Schweiz. Sie prägen den Arbeitsmarkt erheblich und haben damit auch eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion. Was dort im Umgang mit älteren Mitarbeitenden geschieht, hat Signalwirkung für die gesamte Wirtschaft. Ich rede von älteren Arbeitnehmenden, und da muss man heute bereits an Personen ab 50 oder 55 denken. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Situation gesamthaft zu analysieren: die Altersstruktur, die Entwicklung von Frühpensionierungen, die tatsächlichen Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten sowie die Wirkung der bestehenden Instrumente in der Praxis. Dabei geht es auch um eine grundsätzliche Frage der Arbeitsmarktpolitik, ich habe es schon angesprochen: Nutzen wir das vorhandene Potenzial erfahrener Arbeitskräfte konsequent genug, bevor wir über zusätzliche Rekrutierungswege diskutieren? Ein solcher Bericht würde Transparenz schaffen sowie eine faktenbasierte Grundlage für die weitere Diskussion liefern, und er könnte aufzeigen, wo bestehende Massnahmen gut wirken und wo allenfalls noch Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Ich bin der Auffassung, dass ein solcher Überblick sinnvoll ist. Der Bund sollte bei sich selbst beginnen und mit gutem Beispiel vorangehen, indem er das Potenzial erfahrener Mitarbeiter der Bundesverwaltung und bundesnaher Betriebe konsequent nutzt und sichtbar macht, wie eine moderne, altersinklusive Personalpolitik in der Praxis funktioniert, denn er hat auch eine Vorbildfunktion für die Wirtschaft.
Ich bitte Sie deshalb, dem Postulat zuzustimmen.