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Binder-Keller Marianne · Ständerat · 2026-06-18

Binder-Keller Marianne · Ständerat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-06-18

Wortprotokoll

Ich bin ja bekannterweise nicht in der Landwirtschaft tätig. Offen gestanden, habe ich mich schon ein bisschen gewundert, weshalb man sich jetzt der Digitalisierung widersetzt, die man ja notabene auch selber wollte. Deshalb wollte ich einmal aus der Praxis hören, wo die Probleme sind. Die verschiedenen Unterlagen zu Digiflux überzeugen mich; ich habe das auch gesagt. Die neuesten Berichte des Bundesamtes für Landwirtschaft beschreiben den aktuellen Stand des Projektes und zeigen auf, welche Vereinfachungen vorgesehen sind. Lieferungen von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln sollen digital erfasst werden, sie fliessen dann automatisch in ein Gesamtsystem ein, und es wird beispielsweise automatisch eine Nährstoffbilanz erstellt, was Effizienz verspricht und eine Entlastung der Betriebe. Man will Transparenz im Umweltbereich schaffen, also bei Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Kraftfutter.

Ja, das tönt wirklich überzeugend, aber ich habe mir halt auch die Mühe genommen, einmal mit ein paar Bauern über dieses System zu sprechen. Diese Ziele sind auch in der Landwirtschaft unbestritten. Man muss jetzt schon aufpassen, dass man nicht deshalb bestreitet, dass auch in der Landwirtschaft Sorge um die Umwelt besteht, weil die Landwirtschaft dem Projekt Digiflux gegenüber kritisch eingestellt ist. Die Meinung ist einfach, dass der Bericht des Bundesamtes für Landwirtschaft eine theoretische Betrachtung sei und die praktische Umsetzung ausblende und dass die landwirtschaftlichen Produktionsprozesse komplexer seien, als dieser Bericht es erfassen könne. Unterschiedliche Tierkategorien, unterschiedliche Nutzungsarten und vielfältige Formen der Zusammenarbeit der Betriebe lassen sich nicht einfach standardisiert abbilden.

Ich will das nicht weiter ausführen, weil das alles schon erklärt wurde. Aber ich meine einfach, schlussendlich befinden wir uns in einem empfindlichen Spannungsfeld. Wir wollen Digitalisierung, auch um Bürokratie einzudämmen. Dann wird ein System erarbeitet, und plötzlich sieht man sich mit zusätzlicher Regulierung konfrontiert und fragt sich, woher diese kommt. Das ist dem ganzen Unterfangen abträglich. Man führt viel zu oft ein System ein, bei dem man meint, mit ein paar Klicks sei alles erledigt. Ich habe jetzt in Gesprächen mit verschiedenen Bäuerinnen und Bauern etwas anderes gehört. Sie sagen, das System verkenne die Komplexität und die Dynamik der Landwirtschaft. Die Umweltziele aber bleiben die gleichen.

Wir befinden uns in schwierigen Zeiten, die Landesversorgung hat einen immer grösseren Stellenwert. Ich bin dagegen, den Bauern noch mehr bürokratische Hürden in den Weg zu stellen. Ich finde deshalb, dass diese beiden Initiativen - die Standesinitiative und die parlamentarische Initiative - der richtige Weg sind, um hier eine Lösung zu finden.