Büttiker Rolf · Ständerat · 2004-03-09
Büttiker Rolf · Ständerat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-03-09
Wortprotokoll
Ich möchte dem Bundesrat für die äusserst kurze Antwort danken. Die SBB liegen mit ihrem Entscheid richtig. Ich verstehe Herrn Gentil und den Hintergrund seiner Interpellation. Im Übrigen ist es etwas seltsam: Herr Gentil ist in diesem Bereich für die Dezentralisierung. Das ist ja sein Hauptanliegen. Ich bin in dieser Frage natürlich für die Zentralisierung, weil ich der Meinung bin, dass der Entscheid der SBB, für das Rail Control Center (RCC) den Standort Olten vorzusehen, richtig ist. Da springe ich über meinen Schatten und bin in dieser Frage für die Zentralisierung.
Ich möchte Ihnen aber kurz erklären, warum in dieser Frage, gestützt auf die technologische Ausgangslage, der Entscheid der SBB für eine Zentralisierung richtig ist. Die Bahntechnologie entwickelt sich weiter, dies nicht nur, weil Brüssel ein europäisches Zugsteuersystem forciert; das ist auch eine Tatsache. Automatisierung und eine leistungsfähigere Zugsteuerung sind eine Bedingung dafür, dass das heutige Angebot im Güter- und Personenverkehr sicher betrieben sowie auf die zukünftigen Bedürfnisse ausgedehnt werden kann.
Das Projekt der zentralen Netzlenkung RCC ist für die SBB AG ein Schlüssel-, ein Kernprojekt, damit sie ihre Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Markt sicherstellen kann. Der Verkehr auf dem am dichtesten befahrenen Bahnnetz Europas - das ist jenes der Schweiz - wächst kontinuierlich weiter. Wenn wir die Prognosen anschauen, dann sind das etwa 30 Prozent in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren. Ein dazu proportionaler Ausbau der Strecken und Knoten ist nicht rechtzeitig machbar und möglicherweise auch nicht finanzierbar. Das heisst doch im Klartext: Die vorhandene Infrastruktur muss maximal ausgenutzt werden, der Verkehr muss also weiter verdichtet werden. Das ist die Schlüsselausrichtung in der Strategie. Die Leistungsfähigkeit der Lenkung dieses dichteren Verkehrs beeinflusst deutlich die Qualität der Bahnproduktion im Personen- und Güterverkehr beziehungsweise entscheidet mit über die Machbarkeit einer weiteren Verdichtung.
Die Optimierung der Lenkung ist eine zwingende Voraussetzung für den sukzessiven Ausbau des Fahrplanangebotes. Die Lenkung der Bahnproduktion ist heute auf viele Standorte verteilt - das ist heute noch so, Herr Gentil -, an denen kleinere Teams mit lokalem Fokus ihre Teilaufgaben wahrnehmen. Dieses historisch entstandene Organisationsmodell führt in der Lenkung zu einem enormen Kommunikationsaufwand, der die Lenkung stark verlangsamt und behindert. Den dichteren Verkehr der kommenden Jahre kann man mit den traditionellen Organisationsmodellen nicht beherrschen, und darum ist Ihr Dezentralisierungsansatz nicht richtig, Herr Gentil. Durch die Automatisierung der Stellwerke der SBB wird in den nächsten Jahren eine Anpassung dieses Organisationsmodelles möglich, da die Bedienungsarbeitsplätze auf Computertechnik umgestellt werden und örtlich nicht mehr direkt bei den Stellwerken stehen müssen.
Was ist die Antwort auf diese Ausgangslage? Die strategische Antwort ist das RCC. Das RCC beschleunigt und verdichtet die Prozesse der Lenkung, indem die Kommunikationsabläufe der Lenkung deutlich verkürzt und beschleunigt werden. Im Rahmen einer schrittweisen Zentralisierung wird das Lenkungsnetzwerk Schweiz in einer einzigen Betriebszentrale durch ein eng zusammenarbeitendes Teamnetzwerk abgebildet, das den Verkehr des nächsten Jahrzehnts steuern kann. Die Betriebszentrale führt das zentrale Netz und wird rund 700 Mitarbeiter der SBB umfassen. Rund 70 Prozent der Mitarbeiter können von ihrem heutigen Wohnort aus zum Standort der Betriebszentrale pendeln. Das ist auch sichergestellt; der Standort Olten hat diesen Vorteil.
In diesem Sinne bin ich der Meinung, dass der ursprüngliche Entscheid für dieses RCC richtig ist. Er ist von der Sache und auch von der Standortwahl her absolut richtig.