Stähelin Philipp · Ständerat · 2004-06-02
Stähelin Philipp · Ständerat · Thurgau · Christlichdemokratische Fraktion · 2004-06-02
Wortprotokoll
Ich gestehe: Auf den ersten Blick habe ich für den Antrag Pfisterer eigentlich viele Sympathien gehabt. Auf den zweiten Blick habe ich damit etwas Mühe. Weshalb?
Genannt ist knapp und sec "die Spendebereitschaft"; das ist ein Kriterium. Bedeutet das jetzt, dass man die Spendebereitschaft dann erklären muss, wenn man ein anderes Organ will - also Niere für Leber? Ich will nicht spotten, aber ist es erst dann entscheidend, wenn ich selber etwas brauche und erkläre, ich hätte auch ein Organ abzugeben? Oder ist das zeitliche Element mitzuberücksichtigen? Bei den anderen Kriterien haben wir das mindestens teilweise: in Absatz 1 Buchstabe a die medizinische Dringlichkeit und in Buchstabe c die Wartezeit. Wenn wir das aber auch hineinnehmen - ich habe dazu vom Antragsteller nichts gehört -, wenn wir das zeitliche Kriterium der Dauer der Spendebereitschaft mit hineinnehmen, was bedeutet das dann? Dann [PAGE 195] sind die Kinder schon etwas handicapiert: Je länger jemand vorher spendebereit gewesen ist, desto höher kommt er in der Liste hinauf. Das kann es auch nicht sein!
Ich sehe hier mit anderen Worten mehr Probleme und Bürokratie - wir haben heute Morgen lange über Bürokratie gesprochen - als tatsächliche Vorteile im Sinne der Förderung der Spendebereitschaft. Ich habe nach wie vor Sympathien für diesen Antrag; aber ich glaube, er geht in eine falsche Richtung. Wir müssen hier andere Wege der Förderung der Spendebereitschaft suchen, und das haben wir auch getan.